Mein Hood

Mein Hood

Sonntag, 30. Januar 2011

Abwesenheitsnotiz

I was out of office on last Thursday, 27 of Jan. Blog requests could not be forwarded to me. A one day meeting had to be summoned on the beach of Gokarna due to the excessive labour conditions in Kalkeri. Tight finances caused a sleepover on the beach.













Freitag, 21. Januar 2011

Ode an die Einrichtung

Zunächst ein kleiner Nachtrag zum Tierhasserblog dem II. Im Grunde also der Tierhasserblog der III. Denn jetzt ist es offiziell: Idli machte mich in der Nacht zum 17. Januar zum unglücklichen dreifachen Vater. Alle Volunteers kamen von einer 12€ Essensorgie zurück (damit war – nur zum Vergleich – ein gutes drittel Monatsgehalt unserer Junglehrer verfressen; an einem Abend). Am selben Tag hatte Sao, einer unserer Arbeiter, eine eins-A Drahtkonstruktion an allen Türen angebracht, damit sich der Hund nicht mehr durch unsere Türen Quetschen kann und den Boden für seinen Brutplatz umgraben kann. Natürlich vergesse ich diese super Konstruktion einzuhaken. Und somit komme ich übermüdet um 12 Uhr in mein Zimmer zurück und finde es verwüstet mit dem Hund in der Ecke vor. Irgendwann verliert man die Eigenschaft, dabei immer in blinde Raserei zu verfallen und so war es im ersten Moment mehr der stoische Gedanke an den Stock. Doch im nächsten Moment ging mir das Herz auf, ich fiel, vor Rührung schwach geworden, auf die Knie und musste meinen väterlichen Gefühlen freien Lauf lassen. Nein, eigentlich war es mehr ein „Fuck“ und Marie-Anne (eine mir in dieser Angelegenheit freundlich gesinnte Voluntärin) meinte: „Puhh, four Idlis“. Ganz ehrlich, sie waren schon ein bisschen süß. Drei so daumengroße schwarz-weiße mäusegroße Dinger. Tobi hat mir schon ins Gewissen geredet, ich dürfe jetzt nur nicht weich werden. Eine schwierige Phase!

Themenwechsel
Ein Gefühl der Erhabenheit, des Über-anderen-Stehens kommt auf, rückt man seinen fünf Euro roten Plastikstuhl unter sich zurecht und legt seine Arme auf der second-hand Sperrholzplatte ab. Vier gerade Kanten liegen vor mir. Man steht plötzlich über der Welt, die Schinderei liegt dir nun zu Füßen. Du fährst die Kanten entlang, fühlst, wie die Spreizel sich ins Fleisch bohren.
Nach vier Monaten mit einem Regal und einer Kleiderstange als einzige Einrichtungsgegenstände, bin ich nun stolzer Besitzer eines roten Plastikstuhls und eines kleinen Schreibtisches in meinem Kämmerchen. Der pure Neid herrscht nun im Volunteershouse. Ich schreibe diese Worte in aufrechter Haltung, die Arme zur Seite hin abgelegt und die Gewissheit kommt auf, dass in diesem Land eine bestimmte kulturelle Entwicklung nicht stattgefunden hat.
Das Leben auf dem Boden hat seinen Vorteil darin, dass man einen Haufen Geld für alle möglichen Dinge wie Bett, Stuhl, Tisch oder Sofa spart. Jedoch sieht man das als Europäer erst ein, wenn die Bänder im Bein so ausgeleiert sind, dass man schmerzfrei eine Malzeit im Schneidersitz einnehmen kann. Auch die Hornhaut am Außenrist der Füße und am Knöchel muss mindestens einen halben Zentimeter betragen. Bei mir läuft das alles in die richtige Richtung, doch selbst nach knapp fünf Monaten humpelt man noch nach dem Mittagessen aus der Speisehalle. Hier kapiert man schnell, warum es Quatsch ist, dass Europäer nach Indien fahren, um hier die traditionelle Kunst des Meditierens zu erlernen. Es kann einfach bei uns niemand zwei Stunden im Schneidersitz sitzen. Da lässt es sich höchstens auf Schmerz meditieren.
Für das Unterrichten hat der Boden den Nachteil, dass die Kinder nichts haben, wo sie sich drauf legen oder einfach nur ordentlich die Position wechseln können. Denn dann sitzten sie extrem unruhig herum, schaukeln von einer zur anderen Seite oder stehen auf und laufen irgendwo im Klassenzimmer herum.
Zum Abschluss ein kleiner Kommentar zum Industriegebiet Kalkeri. Es tun sich große Dinge. Zum einen hat vor drei Wochen ein Omlettstand in Kalkeri eröffnet. Ein Omlettgadi, wie es im Hindi heißt. Damit hat Kalkeri seinen ersten Fast-Food-Snack, der wohl zu 90% von den Volunteers unterhalten wird. Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat aber die Ankündigung, dass der Kiosk am Busstand in Bälde von Coca-Cola beliefert werden soll. Cola, Fanta, Sprite - alles was das Herz begehrt. Wie das in Indien aber so ist, traut man solchen Ankündigungen nicht all zu sehr, doch als der Coca-Cola Officer - wie er von den Kindern genannt wurde – dann in unserer Schule erschien, war die Freude groß. Von nun an wird kastenweise bestellt, wenn jemand hinunter ins Dorf geht.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Tierhasserblog, der Zweite


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13.01.
Es gibt nichts außergewöhnliches zur berichten, also lasse ich dieses journalistische Vakuum, genannt das Monsunloch, wiedermal an den Tieren aus.
Zum einen hat die Natur gerade wieder zugeschlagen, da heute ein weiteres unserer Welpen gestorben ist und jetzt wahrscheinlich als Affe wiedergeboren wird. Da warens nur noch drei.
Desweiteren: Der Junghund, also die gerade werdende Mutter, „doesn't score a lot of points these days“, wie es Matthieu so schon ausgedrückt hat, auf die Frage, ob wir diesen Hund nicht endlich in Dharwad aussetzen können. Seit Idli – Name des Hundes und gleichzeitig beliebtestes Frühstück unter den Volunteers – nämlich schwanger ist, verhält sich das Tier unausstehlicher als sonst. Bellen und Jaulen um 2 Uhr nachts, so laut, dass man aufwacht, ist eine Sache, der man mit Ohropax so einigermaßen beikommen kann. Dieser Hund erreicht aber gerade ein neues Nervigkeitslevel, denn er ist im Moment mit der Suche nach einem geeigneten Niederkunftplatz beschäftigt. Dieser soll, wie es aussieht, mein oder Idas Zimmer werden. Völlig hirnrissig, zumal ich als Hund selbst meine Kinder nicht in meinem Zimmer gebären wollte.
Ich wachte also neulich auf, auf meiner Chettai auf dem Boden (wichtig für das Einfühlvermögen!) weil ich ein notorisches Kratzen oder Schaben neben meinem Kopf hörte. Zudem fühlte sich irgendwie alles ganz körnig an. Schlaftrunken griff ich nach meiner Taschenlampe und musste entsetzt feststellen, dass dieses Vieh gerade ein Loch in einer Zimmerecke aushub, um dort irgendwann einmal seine Welpen hineinzulegen. Den Dreck ordentlich unten durch nach hinten schleudernd. Ich schau ihn an, er schaut mich an, als ob es das normalste der Welt wäre beim größten Hundefeind Kalkeris den Zimmerboden umzugraben. Danach passierten Dinge, die ich hier nicht so genau beschreiben will.
Es half nichts. Ich wachte am nächsten Morgen auf und da lag er wieder in seiner Dreck-Kuhle. Total lernresistent, dieses Tier. Jetzt muss ich immer meine Tür verrammeln, bevor ich ins Bett gehe. Bei Ida passierte die Nacht darauf genau das gleiche.
Seit Weihnachten steht aber nicht mehr der Hund auf Platz eins im Ranking der „sinnfreien Säugetiere“ sondern der Affe. Diese sind mir nämlich inzwischen schuldig: eine Schachtel Vandoren Klarinettenblätter, deutsches System, Stärke 2,5, eine große Dose Korkfett, eine Wörterbuch Deutsch-Englisch, Englisch-Deutsch, eine Streichholzschachtelkrippe, eine Badehose und 50€, wäre Pierre nicht gewesen. Des weiteren wird dem Oberaffen von den anderen Volunteers in Rechnung gestellt: addiert sicherlich 5 Kilo Zucker, 3 Packungen Kaffee, darunter einen echten italienischen, einen 30€ Parmesan aus Paris, ein Haufen Obst, 2 Kilo Mehl, 3 Packungen Spaghetti aus Lyon, einige Eier, 3 Pack Salz und diverse Unterwäscheteile (komischerweise nur von Mädchen). Zugtragen hat sich der Einbruch speziell bei mir in mehreren Attacken. Als ich aus Mysore wiederkam, erzählte mir Pierre, dass er einen Affen bei mir aus dem Zimmer rennen sah, der eine blaue Plastiktüte in der Hand hatte. In der blauen Plastiktüte, muss man wissen, befindet sich Führerschein, Impfbuch, Perso und zu dem Zeitpunkt auch knapp 3000 Rupien. Der Affe setzte sich auf einen Baum über unserem Haus und schmiss zunächst die erwähnten Dokumente herunter, bevor er einen 500 Rs Schein nach dem anderen nach unten regnen ließ. Die lieben Volunteers sammelten alles ein und räumten sogar mein Zimmer auf, bevor ich mit Mama und Papa ins Projekt kam. Dann ging es ja nach Goa und zuvor hatte ich die Plastikfolie wieder am Fenster „anmontiert“ (mit Papier und einem Nagel, wobei beim Nageln die halbe Wand heruntergekommen ist) und dachte, dass das halten sollte. Hat es aber nicht.
Wie ich erst in dieser Woche festgestellt habe, fehlt mir meine erwähnte Blätterschachtel (Wert 30€, für alle, die denken, das seien nur ein paar Holzkeile). Die war ganz frisch an Weihnachten eingetroffen. Weil ich es aber erst nicht so recht glauben wollte, was denn ein Affe mit einem Stück Holz machen will, hab ich mir zehn Kinder geschnappt und bin mit ihnen ums Volunteers-Haus spaziert. Es brach mir das Herz: Überall völlig massakrierte Klarinettenblätter, vergewaltigt bis zur Plastikhülle, die Zähne deutlich eingekerbt. Draufrumgekaut, ausgespuckt und liegengelassen... Das sind die verstörenden Momente meiner Jugend. Die restlichen verschwundenen Dinge sind nie wieder aufgetaucht, verschluckt von den Tiefen des Dschungel. Für immer zum Affenreich gehörig. Mogli kann jetzt Englisch lernen. Wenn er schon Deutsch spricht. Und Frauenunterwäsche anziehen.

Freitag, 7. Januar 2011

Mein Weihnachtstagebuch

06.01.2011

Weihnachten unterschied sich dieses Jahr ganz leicht von den letzten 19 Jahren. Ich zähle hier ganz kurz die markantesten Unterscheide auf: Statt einer deutschen Tanne gab es ein 20 cm großes Plastikbäumchen, das mir Mama und Papa (ja, die waren da, da hat sich nicht viel geändert) aus Deutschland mitgebracht haben. Satt einer Krippenlandschaft im Wohnzimmer gab es eine Instant-Krippe auf der Terasse, ein Popup Modell in einer Streichholzschachtel; aber alles vorhanden, Ox, Esel, die heilige Familie, die Schäflein und der Stern, einwandfrei. Heidrun, vielen Dank, sonst hätten wir irgendwie einen Shiva und eine Parvati um einen kleinen Krishna herum postieren müssen; mit Wasserbüffel und Affenfamilie außenrum. Statt Schnee gab es konstante 25 Grad, aber so ganz mussten wir nicht verzichten, da Laura aus Frankreich ein Schnee-Spray geschickt bekommen hat. Das wurde aber von den Kindern der Günderfamilie, die vor zwei Wochen gekommen ist, als Graffitidose verwand. Jetzt sieht unser Anwesen noch mehr heruntergekommen aus, als es ohnehin schon war. Einen Touch von Hippikommune/Fixerstube im Dschungel...
Verändert hat sich nicht die Geschenkemenge bei der Bescherung, wobei doch, es war wahrscheinlich noch mehr als sonst. Dem verwöhnten Fratz mussten 10 Kilo Übergepäck bestellt werden, damit er auch seine 15 Tafeln Schokolade und einen Festmeter Haribos bekam. Danke hiermit an alle Schoko-, Wurst und Käsespender! Die Wildschweinsalami hat die nachweihnachtliche Urlaubswoche leider nicht überstanden. Der eingeschweißte Gauda und der Emmentaler scheinen noch genießbar.
Die Weihnachtsente bestand aus Pfandkuchen, gebratenem Gemüse und einer Bechamelsoße... joa, fast wie daheim bei Oma.
Auch eine Christmette gab es, jedoch outdoor, was ziemlich anders ist. Unser Rektor hat sich erbarmt, uns, Hafners und Laura, um 10 Uhr Nachts nach Dharwad zu fahren und um halb eins wieder abholen. Indien ist in der Nacht nämlich so tot – und zwar überall, auch in den großen Städten – dass man nicht einmal mehr einfach ein Taxi bekommt.
Am 27. Dezember ging es dann ab nach Goa ins Hotel Rivercat, eine völlig abgefahrene Künstlervilla mit einem indischen Gigolo in den Midfünfzigern – dem Meister des Smalltalks. Zehn Sprachen sprach er fließend, ach was, zwanzig, Religionsphilosoph und Soziologe war er, eines seiner Spezialgebiete „Alkoholismus unter der indischen Landbevölkerung“. Außerdem hält sich in der Villa eine Horde voll Katzen und Hunde als Haustiere?!? Ich meine, Hallo, der Kerl kommt doch aus Indien! Wie kann man denn so seine Wurzeln verleugnen. Die nächsten Tage haben wir dann eigentlich nur Dezember am Strand genossen, das heißt Aufstehen, essen, am Strand herumgammeln, essen, herumgammeln, duschen, essen, essen, eine volle Staffel „Friends“ anschauen (Tobi, ich lieb dich ;D), ins Bett gehen. Manchmal sind wir noch vor dem Essen ein bisschen Taxi gefahren, aber sonst hat sich eigentlich nie was verändert. Bei Essen stand ich dann meist vor der Entscheidung: Gutes lokales Essen oder übertriebene al dente Nudeln mit einer Tomatensoße (die in der Karte zehn verschiedene Namen hatte aber wahrscheinlich alle gleich schmeckten). Ich habe mich immer für die Nudeln oder Pizza entschieden.
Während meine Eltern dann ihr erstes Silvester in einer Zeitschleife von viereinhalb Stunden in den Sphären über Barein verbrachten, machte ich mich mit drei besoffenen amerikanischen Collegestudenten per Anhalter auf einem Roller auf den Weg von Mandrem nach Anjuna Beach. Eine bummsvolle Partymeile am Strand von Goa, besiedelt vornehmlich von Russen, tätowierten Fünfzigjährigen und hängengebliebene Althippies (letztere sind wahrscheinlich das Selbe). Sonnenuntergang bei Goatrance (ich wusste davor gar nicht, dass das eine eigene Musikrichtung ist; das hält man 20 Minuten aus, dann kriegt man einen Herzkasperl) und dabei in der Badehose im Meer dazu abdancen. Nun ist Silvester für mich aber doch etwas anders ausgefallen, da ich zuvor wahrscheinlich irgendwas falsches gegessen habe. Damit war ich dann ab 10 nach 12 außer Gefecht gesetzt und bin ins Bett. Auch wenn das jetzt sicherlich sehr unglaubwürdig klingt, an Silvester von Magenproblemen ausgenockt zu werden, beteuere ich hiermit bei Krishna, Vishnu und allem was mir heilig ist, dass ich nur eine halbe Flasche Bier getrunken habe. Ein frohes Neues euch allen!