Mein Hood

Mein Hood

Freitag, 29. Oktober 2010

Hunde

24.10.10

Unser heutiges Thema handelt von den süßen kleinen knuddeligen Vierbeinern, von dem besten Freund des Menschen – dem Hund.

Dieses Land, dieser Ort, diese Schule verwandelt jeden noch so verrückten Hundenarren in den kaltherzigsten Hundehasser. Jeder, der hierher kommt und einen Hund hat, hat nach spätestens zwei Monaten jeden liebevollen Gedanken abgelegt. Wer zuhause seinem Fiffi täglich die besonders ausgewogene Pedigree-Premium Mahlzeit bereitet, der kennt nach zwei Monaten nur noch ein Wort: Hatsch, das indische „Schleich dich“.

Wie ergeht es aber jemandem – in dem Fall ich –, der schon, als er hier ankam, ein Hundehasser war? Man wird zum Monster, bar jeder Gefühle und völlig verständnislos für die Tatsache, dass auch ein Hund ein Lebewesen ist.

Es gibt so viele Gründe, diese Tiere hier nicht zu mögen, da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.

Zuerst muss gesagt sein, dass, wenn der Hund hier überhaupt einen Sinn hat, er NICHT in Schoßtierartigkeit liegt. Wenn hier Hunde zu irgendetwas zu Nutze sind, dann höchstens, dass sie als Alarmanlage für jeden Haushalt dienen. Ein Gang durchs Dorf Kalkeri und man weiß, was ich meine. Zuerst muss man an den beiden hell gescheckten Kötern direkt am Busstand (was gleichzeitig der Dorfplatz von Kalkeri ist) vorbeikommen, die zwar nicht immer aktiv sind, aber wenn, dann dafür umso schärfer sind. Hat man die hinter sich, kann man sich für ca. 50 Meter in Sicherheit wiegen bis man am Haus des ehemaligen Bürgermeisters auf einen Hund mit riesen Klappe aber nichts dahinter trifft. Sobald man zum Stein greift, zieht er den Schwanz ein, fängt an zu winseln und schleicht sich. Darauf folgt aber der gefährlichste Teil auf dem Weg vom Dorf in die Schule: Biegt man am letzten Bananenladen rechts ab, hat man plötzlich einen Kläffer hinter sich und einen, der von links aus dem Haus einer unserer Arbeiter herausgeschossen kommt. Schnell weiter, bloß nicht stehen bleiben, keine Angst zeigen, sonst endet man wie Marie, der die Hunde nach einem Jahr immer noch bellend direkt am Hintern klebten. Ist man da durch, kommt man zu dem kleinen Schwarzen, der sich immer völlig übernimmt beim bedrohlich-Knurren. Er erstickt immer fast, muss dann husten und kurz aufhören und fängt dann wieder an. Die größte Hürde liegt aber am letzten Haus im Dorf, bevor es den Trampelpfad durch die Büsche hoch in die Schule geht. Das ist der große Hund mit dem Evil-Eye, denn er hat nur noch ein Auge und das andere ist feuerrot vernarbt. Man sagt, er habe sich das zugezogen, als er einmal alleine gegen drei Löwen gekämpft hat. Ne, ist natürlich Quatsch. Ihm bin ich einmal allein in der Nacht begegnet, als ich den letzten Bus aus Dharward genommen habe... Ich war wirklich erleichtert, als ich in der Schule ankam.

Der Punkt ist, dass männliche Alarmanlagen natürlich einen viel größeren Effekt haben als weibliche. Und so ist es in Indien Sitte, dass wenn irgendeine Hündin mal wieder geworfen hat – kommt circa zwei Mal im Jahr vor – man die weiblichen Babyhunde schnell in den Wald bringt (wo sie wahrscheinlich alle zusammen glücklich und friedlich in einer Art Amazonengemeinschaft bis heute zusammenleben) und die männlichen zu möglichst guten Wachhunden trainieren will.

Nicht nur weibliche Menschen sind in Indien also am ungemütlichen Ende der Gesellschaft (da folgt sicher nochmal ein eigener Blog), sondern auch die weiblichen Hunde. Meist ist es sogar so, dass wenn unsere Gebärmaschine „Tippu“ in der Schule wieder mal geworfen hat, nachts die Kalkeri-Leute in die Schule kommen und die männlichen Babyhunde klauen.

Allgemein ist hier der Hund nicht zu meinem besten Freund geworden, weil es einfach super nervig ist, wenn man sich den Boden, der in Indien auch den Lebensraum des Menschen bildet, mit dem Hund teilen muss. Ständig kommt so ein gerade im Parasitensee von nebenan gebadeter Hund an, legt sich auf unsere Chettai und schüttelt seine Läuse und Flöhe in unserem open-air quasi Wohnzimmer ab. Weitere Evergreens aus der Liste der nervigsten Hundeaktionen ist in unserer Essenskiste wühlen, vergessene Milchpackungen aufbeißen (darin unterscheiden sie sich allerdings nicht von den Krähen, Katzen und Affen), stundenlanges Gejaule in der Nacht, und – mein absoluter Favourit – Kopulieren auf der Chettai.

Leider teile ich meine Abneigung nicht mit allen Volunteers. Gerade hatten wir ein riesen Drama mit einer Kanadierin, die völlig lernresistent gegenüber dem Umgang mit Hunden zu sein scheint. Als vor einer Woche eine Wagenlieferung Sand für ein neues Klassenzimmer eintraf, haben die Arbeiter einen kleinen Babyhund aus Kalkeri mitgebracht. Natürlich war der Hund weiblich und natürlich konnten wir ihn deswegen nicht behalten, weil weibliche Hunde die Hundeanzahl in Kürze potenzieren. Aber anstatt den Hund in den Wald zu schicken oder in Dharward auszusetzen, hat sie den Hund gefüttert, ihn mit ins Bett genommen (??!) und unserem Haus einen Tierheimflair verpasst. Nur solange, bis sie eine Lösung für ihren Freund gefunden hätte. Was natürlich völlig aussichtslos war, weil in Indien niemand ein Weibchen haben will.
Das Ende der Geschichte ist jedenfalls, dass der Hund, nachdem wir fast auf die Barrikaden gegangen sind, mit zwei anderen schwangeren Weibchen aus unserer Schule doch in Dharwad ausgesetzt wurde – zu den 1000000 anderen streunenden Hunden.

Tja, was soll man sagen, Indien ist ein grausames Land.


Nächstes Mal wird’s mal ganz detailliert darüber gehen, was ich eigentlich hier mache. Mir ist aufgefallen, dass das noch keiner weiß.




Freitag, 22. Oktober 2010

Blabla

21.10.10


Da die Kinder immer noch in den Ferien sind, wir übermäßig gelangweilt hier rumsitzen und ich daher überhaupt keine Ahnung habe, über was ich schreiben soll, bringe ich jetzt alles zu Papier, was mir gerade durch den Kopf geht.
Ich sitze im Moment auf meiner Chettai (das ist die obligatorische Bambus-Sitzdecke, die man benutzen muss, wenn man sich auf den Boden setzen will) bei angenehmen 25°C – der „Winter“ fängt jetzt an – und denke: Scheiß Flöhe. Es kratzt überall, Alarmstufe Rot herrscht im Unterhosenareal. Im Urlaub war alles super, keine eiternden Moskitoboils mehr („Eiter“ heißt auf Englisch übrigens „pus“, der Vorgang, allerdings in schon sehr fortgeschrittenem Stadium, kann mit „to fester“ ausgedrückt werden; eines meiner meist benutzten englischen Worte), keine Flöhe und zu kleinen Feldbetten, aber zurück im Survivalcamp wird man wieder mit der harten Realität unserer im wahrsten Sinne bodenständigen (besser bodenorientierten) Lebensweise konfrontiert.
Vor mir pennt in der neu erstandenen Hängematte einer dieser betont national eingestellten QUEBECISCHEN Kanadier, der ganz klar der Meinung ist, Quebec müsse sich vom englischen Teil Kanadas, also dem völlig verrohten und unkultivierten Teil, unabhängig machen. Quebec könne ja stolz auf seine wahnsinnig lange Kulturgeschichte von 400 Jahren zurückblicken, wohingegen der englische Teil nur der billige Abklatsch der USA sei.
Indien scheint ohnehin der Treffpunkt aller Politik-Irren zu sein. Alle Europäer und Kannadier, die man hier trifft, sind der Meinung, die Welt sei von CIA Agenten unterlaufen und Amerika würde versuchen, die Welt zu beherrschen indem sie den und den Politiker gekauft hätten. Und die EU sei auch nur ein Instrument Amerikas, um seine Wirtschaftsinteressen blabla...
Neben mir ist gerade ein Brocken Erde vom termitenbearbeiteten Dach gefallen – inklusive einiger Termiten.
Da im Moment wie gesagt noch Ferien sind, fallen hier einige unterrichtsferne Dinge an, die die Volunteers machen müssen. Ein bisschen Gärtnern, ein bisschen alte Kinderklamotten sortieren, die Bibliothek sortieren, Tafeln frisch streichen und ein bisschen Hütten renovieren, sonst aber eigentlich nur Faulenzen. Das Hütten-Renovieren war allerdings so eine Sache. Denn der indische Arbeiter hat sein eigenes, spezielles Tempo. Es ging darum eine Wand einer Hütte einzureißen und neu aufzubauen. Ich habe ja wirklich überhaupt keine Ahnung von irgendwas, das mit Handwerk zu tun hat... wirklich gar nicht. Aber wenn man mit unseren Workern arbeitet, denkt man plötzlich, man hat einige Jahre Statik studiert (ist das überhaupt ein Studium?). Als wir nämlich die Wand reparieren sollten, haben sie sich daran gemacht, einen Stützbalken einzureißen, der den Dachträger hält. Und ich musste sie echt ne gute Zeit lang überzeugen, das dann alles zusammenkracht. Als wir dann den Balken mit einem anderen vorsichtig ausgetauscht hatten, haben sie ein Ameisennest aus versehen aufgestochert. Darauf musste erst einmal ein Feuer gemacht werden, um die Ameisen wegzubrennen – was überhaupt nicht funktioniert hat – und als das nichts half, musste eine Pause eingelegt werden; weil die indischen Ameisen beißen nämlich wahnsinnig fest zu. So haben die Arbeiter in zweieinhalb Wochen statt zwei neuer Häuser, zwei renovierten Klohütten und einem renovierten Haus eine renovierte Wand geschafft (naja, beim Klo machen sie so langsam Fortschritte). Die im Moment fehlenden Klos haben es aber in sich. Da wird jeder Gang zur Trekkingtour – mit chronischem Durchfall ist das echt kein Spaß (zwei andere Volunteers, die in einem anderen Projekt in der Nähe von Bangalore sind haben, wohl aufgrund der wahrscheinlich fragwürdigen hygienischen Bedingungen im Projekt – schon sagenhafte zwei Monate Durchfall; yeah Indien). Aber eigentlich reden wir hier schon dauernd vom Stuhl, darüber will ich nicht zu viel bloggen.

Bis auf sich häufende Läuseattacken und eben... meinen fragwürdigen Stuhl geht’s mir prima.
Liebe Grüße ihr Amerika-Schergen,
Fabian

Es gibt ein paar neue Bilder von Gadak, Ganapatie ect.

http://picasaweb.google.com/fabian.hafner/Indien02092210#

Samstag, 16. Oktober 2010

Examen und eine eigenartige Nacht in Gokarna


14.10.10

Frisch aus dem Urlaub in Kerala zurückgekehrt, muss ich zunächst noch ein wenig zurückgreifen und von den Halbjahresexamen, die die letzten zwei Wochen stattfanden, berichten.

Alle Kinder müssen, bevor es in die Ferien geht in jedem Fach sowohl mündlich als auch schriftlich geprüft werden. Die Aufgaben der Klassen 1-4 stellt die Schule, der Rest kommt vom Government. Jeder Volunteer wurde einer Stufe zugeteilt, die er beaufsichtigen musste, dass nicht beschissen wird. Ich bekam die 5. Klasse zugeteilt, bestehend aus gerade mal 9 Leuten und hatte auch noch den Lehrer an meiner Seite – ein völlig hoffnungsloses Unterfangen für jeden Abgucker.

Es war eine eigenartige Situation: Gerade mal ein paar Monate nicht mehr in der Position, in der man alles versucht hat, um mit möglichst wenig Zeitaufwand gute Noten zu schreiben (will heißen, so mit Spickern bestückt, dass man gar nicht mehr weiß, wo man jetzt welchen versteckt hat) sitzt man plötzlich auf der anderen Seite am Hebel, die verzweifelten Würschte mit einem betont strengem Blick zu strafen, wenn sie sich gerade in optimale Abschreibposition rücken. Man weiß selber noch genau, wie man vor jedem Versuch erstmal den Blick Richtung Lehrer richtet und wenn der gerade zufällig herschaut, einfach so tut, als ob man nur gelangweilt durch die Gegend schaut. Das macht auch der Inder nicht anders. Doch Dank meiner einzigartigen dreizehnjährigen Insider-Ausbildung im Milieu des Feindes gab es nicht die geringste Sicherheitslücke und so basieren nun höchstwahrscheinlich alle Sechsen der 5. Klasse auf Hundert Prozent Ehrlichkeit und Eigenständigkeit.

Die Examen selbst, die vom Government kamen, waren ein Witz, zumindest die Englischexamen. Wie man auf zwei Seiten so viele Fehler einbauen kann, ist einfach unbegreiflich. Wenn es nur Rechtschreibfehler in den Aufgabenstellungen waren, war das zu ein verzeihliches Vergehen. Aber wenn der Satzbau der Frage sowas von falsch ist, dass man die Frage nicht mehr versteht, dann ist das ein echtes Problem. So mussten wir die erste halbe Stunde gemeinsam in der Klasse das Question-Paper auseinandernehmen, verbessern und das völlig unverständliche rausstreichen. Und das war eine staatliche Prüfung die halb Karnattaka geschrieben hat...

Hier meine absolute Lieblingsfrage:

Do you glasses of grandapus on the table to see like?

Nach den Examen hab ich schnell meine Rucksack gepackt und bin Richtung Kerala abgedampft, wo alle 25 Volunteers sich getroffen haben und wir uns ein Hausboot für eine Nacht gemietet haben. Mein Zwischenstopp aber war in Gokarna, einem absolut wunderhübschen Badeort an der Westküste Indiens, ein wenig südlich von Goa. Der Ort selbst ist ein Wallfahrerort für Hindus – alle Tempel für Touristen unzugänglich – und an den Ort grenzen vier Strände nacheinander an. Von einem Strand zum anderen braucht man ca. 30 Minuten. So habe ich mir erst einmal eine Hütte für 2€ die Nacht direkt am Strand (also nicht irgendwie in Strand-nähe oder nah im Sinne von „man kann den Strand sehen“ sondern wirklich auf dem Strand) gemietet und nach zwei Monaten adaptiver indischer Lebensweise den absoluten Vollblut-Touri ausgepackt: Nur noch in kurzen Hosen (oder gleich ganz in Badehose) herumgelaufen und im Restaurant alles Nichtindische bestellt, was es auf der Karte gab. Sollten mich die Brahmanen im Ort doch für die Zügellosigkeit in Person halten; ich hatte das Gefühl ich hatte es verdient.

Aber ich will eigentlich nur von der ersten Nacht in Gokarna berichten, der Rest ist in jedem Reiseführer schöner nachzulesen.

In meinem Lonley Planet, das ist mein 1000 seitiger Indienführer – dickes Danke an Gertraud, falls du das ließt, es war die beste Indienanschaffung, die ich hatte – steht drin, dass man von dem ersten Strand niemals bei Nacht oder Alleine zum zweiten wandern sollte, denn man muss erst eine kleinen Dschungelpfad recht steil einen ziemlich bewaldeten Berg rauf, der oben eine große kahle Plattform hat, ziemlich weitläufig aus flachen Felsen und Wiese besteht, nach vorne steil als Klippe zum Meer hin abfällt und an der anderen Seite wieder durch den Urwald runter zum zweiten Strand geht. Was mach ich? Marschiere bei Nacht und alleine los. Es war zwar noch nicht dunkel aber ich wusste, wenn ich zurückkommen würde, würde es das sein. Zu meiner Verteidigung hätte ich aber vorzubringen, dass ich den Hüttenbesitzer gefragt habe, ob das ein Problem wäre, worauf der meinte: Is no problem; with torch, is no problem. Aber wie es dann in Indien meist so ist, wurde es dann doch zum big problem.

Ich kam am anderen Strand problemlos an, hatte einen leckeren Chai, ein leckeres Abendessen und eine gute Unterhaltung mit zwei Israelis (unglaublich wieviele Israelis in Indien herumreisen; einer hat mir erklärt, dass das daran liegt, dass sie in kaum ein anderes Land noch problemlos einreisen können). Etwas sorgenvoll habe ich die vom Meer heraufziehende schwarze Gewitterwolke betrachtet, die mit ordentlich Geblitze auf uns zukam. Entweder jetzt noch schnell rüber oder nach dem Gewitter... Falsche Entscheidung: jetzt.

So machte ich mich beim letzten Abendlicht auf und auf halbe Strecke hat es auch schon geschüttet wie die Sau. Bis ich auf der Bergkuppe war, war das Gewitter über mir, es goss und war stockdunkel. Sehr beruhigend, zu wissen, dass man im Moment der höchste Punkt weit und breit ist, kein Baum in der Nähe, andere Irre, die beim Gewitter auf einen Berg steigen, sowieso nicht. Es wäre alles kein Problem gewesen, wenn ich schnell die 200 Meter über die Plattform gerannt wäre, wieder rein in Dschungel und schon wäre ich in meiner Hütte. Nur, ich fand den verdammten Weg in diesen verdammten Dschungel nicht mehr. Ich rannte sicherlich eine halbe Stunde lang auf der scheiß Plattform herum, mit einer kleinen Funzel in der Hand, bis auf die Unterhose durchnässt, Blitz und Donner über mir, völlig die Orientierung verloren. Jedes Mal, wenn ich dachte, ich hätte den Weg gefunden, endete der in irgendeinem Gestrüpp im Wald. Einmal kam ich an eine Art kniehohe Kaktushecke. Die Antwort, warum man denn hier eine Kaktushecke pflanzen muss, fand ich, als ich mit der Taschenlampe dahinter leuchtete: Ich stand direkt am Abhang der Steilküste; vor mir fiel es etliche Meter direkt ins Meer ab. Unten rauschte das Meer gegen die Felsen. So langsam wurde ich panisch, als ich irgendwo weiter oben ein Licht sah, das zwar nicht der Strand war, aber zumindest etwas. Ich fand einen Weg zu dem Licht und gelangte zu einem Tempel, der – glücklicherweise – offen war. Es war zwar niemand drin, aber wenigstens, trocken und warm.

Ich musste an dem Moment an Luthers Berufungserlebnis denken; dachte mir, wenn ich das überlebe, trete ich dem Hinduismus bei.

Im Tempel hab ich mir zunächst alle Klamotten vom Leib gerissen, ausgewunden und mir auf den erstaunlich sauberen Fliesen mein Nachtlager bereitet. Ich hab mir vorgestellt, wie ich am nächsten morgen von der Tempelpolizei wegen schändlichster Entweihung eines Tempels durch einen nackten Touristen abgeführt wurde. Aber soweit sollte es nicht kommen, denn nach einer gefühlten Ewigkeit (ich hatte natürlich kein Handy oder eine Uhr dabei und eine Million Moskitos hielten mich vom Schlafen ab) hörte es auf zu regnen und ich sah ein paar Autolichter die Plattform heraufkriechen – gerettet von 5 betrunkenen Bangalorern, die aus dem Ort kamen und an den gleichen Strand wollten wie ich.

Ich bin hiermit zum Hinduismus übergetreten, trete aus der Kirche aus und huldige ab jetzt Krishna und Parvati.

Der Rest meines Urlaubs verlief so unspektakulär, dass er nicht der Rede wert ist (außer vielleicht die zwei Nonnen, die ich auf meinem 20-stündigen Heimweg getroffen habe, die 24 Jahre in Freiburg an einer Mädchenschule gearbeitet haben und ganz entsetzt waren, als ich ihnen über die Missbrauchsfälle in Deutschland erzählt habe).

Jetzt bin ich wieder daheim (klingt komisch, das zu sagen ;D) und genieße die schülerlose Schule noch gute 10 Tage lang.

Liebe Grüße,

Fabian