Mein Hood

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Samstag, 28. August 2010

Dauercampen

Bei dem Wort „Dauercampen“ kommt einem meist ein dicker Pensionär in den Sinn, versehen mit einer kugelartigen Wampe, die besonders gern mit Unterhemd oder auch – ganz typisch – vorne geöffneten Hawaihemd präsentiert wird. Diese Person wohnt meist in Großraum-Wohnmobilen, die eine voll ausgestattete Küche mit Elektroherd, Kühlschrank, Mirkowelle, Mixer, Pürierstab und Waffeleisen besitzen, ein Wohnzimmer mit außen fein säuberlich ausjustierter Satellitenschüssel für den 32'' Zoll Flachbildschirm auf dem Couchtisch.
Dieser Camper grillt den ganzen Tag über Würstchen auf seinem esstischgroßen Weber-Gasgrill in seinem mit Baufolie umzäunten, auf Lebenszeit gepachteten Anwesen und seine Frau zapft ihm jede Stunde eine neue Halbe aus der in die Küchenzeile integrierten Bierzapfmaschine.
Bevor er ins Bett geht, sperrt der Camper seine mitgebrachten Fahrräder auf der ausfahrbaren Porch an, nimmt seine elektrische Zahnbürste zur Hand, checkt noch eben seine Mail auf der UMTS-Breitbandflat und nickt bei der Nachtwiederholung von „Bauer sucht Frau“ auf seiner 90x2 Meter Federkernmatratze mit Ergofunktion ein.
Ich lege das in dieser Ausführlichkeit dar, damit kein Missverständnis entsteht, wenn ich hier beim Beschreiben unserer Wohnsituation von „Dauercampen“ spreche. Es ist nämlich die Art von Dauercampen, die der ursprünglichen Wortbedeutung näher kommt.
Um die Situation in Kürze zusammenzufassen ließe sich sich sagen, dass wir seit zwei Tagen ohne Strom leben. Irgendwo hat es die Stromleitung nämlich zerdeppert und weil es die letzten zwei Tage ordentlich geschüttet hat, weigert sich die örtliche Firma, das Netz zu reparieren.
Man ist einfaches Leben hier so langsam gewöhnt, aber Einfachheit lässt sich noch steigern. Plumsklohgänge, kalte Eimerduschen, kein Telefon und keins von diesen sogenannten Internets, das sind alles Entbehrungen, mit denen man sich schnell abfindet. Auch ein offenes Zimmer aus Bambuswänden (wieder mit Gülle verkleidet), von wo aus man alle anderen Mitbewohner, Hunde, Affen, und Chennai-Anfänger (übelst nervige indische Oboe) hört – damit auch die eigene Privatsphäre im Eimer ist – ist ein mehr oder wenig erträglicher Zustand. Aber wenns dran geht, 140 Kinder in der Yoga-Hall (eine Art großer offener Pavillon) bei Kerzenlicht in tiefer Nacht zu verköstigen, wird’s spannend. Gesteigert werden kann das noch durch Platzregen, der jeden Boden in ein großes Schlammbad verwandelt, in dem jeder Schlappen versinkt. Kombiniert mit sich in der Dunkelheit prügelnden Viertklässlern ergibt das ein Abendessen, nachdem man sofort ins Bett gehen will.
Auch der Charme von Kerzenlicht geht hier innerhalb einer Woche völlig verloren. Wer wünscht sich in unserer von Laternen und sonstigen Lichtern verseuchten Welt nicht ein Candlelightdinner unter freiem Himmel; die Grillen zirpen, die Welt liegt dir friedlich zu Füßen und man ließt seinen Klassiker im Kerzenschimmer?
GOTT, ich wünsche mir nichts sehnlicher als ne fette, funktionierende 2000 Watt Straßenlaterne vor meiner Hütte. Gleißendes Neonlicht, oh yes.
Aber ich bin ja hier hergekommen, um zu sehen, wie man auch auf andere Weise leben kann und ich muss sagen, es gefällt mir.


Valete,
Fabian

Montag, 23. August 2010

Angekommen

21.08.10

Tja, was soll man sagen? Ich könnte jetzt hier auf der Stelle einen Roman schreiben, um alle ersten Eindrücke festzuhalten. Das Projekt, in dem ich gestern um 11 Uhr angekommen bin, ist so ziemlich das abgefahrenste, was ich bisher erlebt habe. Vom Wohnkomfort her ist das Ashram (ich verstehe immer noch nicht so ganz, was ein Ashram ist; ich dachte, das ist was spirituelles) ungefähr Mieles Campingplatz minus sieben von zehn Comfortpunkten. Da das nur Eingeweihte verstehen, werde ich einen kurzen Abriss geben:

Ich bin im Dschungel. Das Projekt bildet eine Art eigenes Dorf mit, ich schätze, 20 kleineren und größeren Hütten. Alles ist ein wenig bergig und abschüssig und unser Volunteershaus ist ganz oben, recht zentral gelegen. Die Schule hat 160 Schüler und ca. 20 Lehrer, teils Instrumentallehrer, teils normale Lehrer für Mathe, Englisch, Kannada, Science ect. Ab Sieben müssen die Kinder ihre Instrumente üben (Tabla, Sitar, Chennai, Voice...), dann gibt’s Musikstunden, Mittagessen und normalen Unterricht. n Zimmer enthält folgende Gegenstände: Bett und Regal.

Ja, da hab ich auch gedacht, dass ich zu viel Zeugs dabei hab. So hab ich erstmal eine Tasche gepackt mit Zeugs, das ich nicht mehr brauchen sollte für dieses Jahr. Diese steht jetzt in einer Ecke meines Zimmers.

Das Klo ist ein Loch mit einer Wassertonne, mit der man sich den Hintern sauberwaschen kann. Aber eigentlich ist das echt nicht unangenehm und man gewöhnt sich schnell an alles.

Genauso funktioniert auch die Dusche, nur ohne Loch. Da alle Inder aber doch deutlich kleiner sind als ich, fungiert die Dusche für mich auch gleichzeitig als Panoramaplatz , da die Bastwände nicht hoch genug sind (von dem ich auch panoramamäßig zu sehen bin).

Interessant ist, wie die Wände gebaut sind. Als wir ankamen, wurde uns gesagt, unsere Zimmer würden noch renoviert werden – und zwar mit Gülle. So bekamen unsere Zimmer diesen äußerst einmaligen rustikalen Look, anfangs in Kombination mit dem rustikalen Geruch.

Und wo sie schon dabei waren, haben sich gleich auch noch den Boden renoviert.

Die Kinder hier sind zum Umfallen süß. Lauter kleine gleich aussehende schwarzhaarige Inder, deren Namen ich mir NIE merken kann. Ich muss zehn mal fragen und es passiert einfach mein Gehirn, ohne dass irgendwas hängenbleibt. Einer heißt Sadam Hussein. Den Namen kann ich mir aber merken. Im Volunteershouse wohnen noch ein französischer Kanadier und eine Französin. Die drei Gründer sind auch Kanadier, von denen aber glaube ich keiner hier ist. Der derzeitige Chef ist ein Engländer, Mr. Woods, der aber auch bis September seinen Urlaub in England verbringt. Die zwei Manager, die gerade da sind, sind eine Deutsche (Barbara) und eine weitere Französin (Debora).

Ich hoffe, in diesem Jahr Französisch, Hindi, Kannada, Gitarre und mindestens ein indisches Instrument zu lernen. Na ja, ist ja doch ein ganzes Jahr, da darf man schon ein bisschen ehrgeizig sein. Im Moment geht’s mir soweit echt gut. Die Volunteers sitzen hier zusammen und wir kochen auf unserem eigenen Gaskocher alles, was nach Europa schmeckt. Das heißt, die kochen, ich... muss ja schreiben. In einem Laden in Dharward - die nächste eine Millionenstadt, eine Stunde mit dem Bus entfernt, in der es keinen einzigen Weißen gibt - gibt’s nämlich alles, was das verweichlichte Europäerherz begehrt. Pasta, Schokolade, Käse, Toastbrot. So wird alles für mindestens den gleichen Preis wie in Deutschland gekauft und am Abend ab und zu der Ferne gedacht. Toastbrot wird aber in der Pfanne getoasted; man lernt nie aus.

Was wirklich nervt ist, dass immer alles juckt. Da man hier standartmäßig Wanzen oder Flöhe in seiner Pritschendecke hat und dazu überall Moskitos sind, kommt man aus dem Kratzen nicht mehr raus. Der Moskito aktiviert den Kratzreiz und die Wanzenbisse lassen dich dann nicht mehr aufhören.
Noch ist hier Monsun (ich glaub, noch ein, zwei Monate) und wenns regnet, dann so richtig. Der Boden weicht auf und mit seinen Flip-Flops geht man dann fast unter im Schlamm. Jeder läuft hier entweder barfuß oder mit Schlappen herum, andernfalls kann man seine geschlossene Schuhe wegschmeißen.

Das witzigste hier sind die Affen: der Campus wird von ungefähr 300 Affen bewohnt, die die wohl verhasstesten Lebewesen in dieser Gegend sind. Als Greenhorn, wurde mir gesagt, findest du sie noch süß, aber irgendwann willst du sie einfach nur noch töten. Wir haben nämlich so eine Art große Veranda in unserem Haus, die völlig offen und mit jedermenge Zeugs vollgestellt ist. So kommen die kleinen Äfflein Tag für Tag und verwüsten alles, was man gerade eben ins Regal gestellt hat. Besonders fein ist über die Terrasse verstreuter Biomüll.

Amira, es wäre das Paradies für dich. Überall räudige Hunde (wirklich überall), bis oben mit Zecken und Flöhen bewaffnet und ab und zu geht mal einer an Tollwut drauf. Macht hier aber irgendwie niemand was. Die begleiten dich überall hin ; aufs Klo, nach Kalkeri ins Dorf (ca. 5 min), auf dein Dschungelspaziergang. Und da sie hier im Aschram jede Menge an Essensabfällen essen können, sind sie immer dankbar und hauen nie ab, obwohl man sie mit Schuhen bewirft, sie wüst beschimpft und mit Wasser übergießt. Nein Amira, es wäre wohl doch nichts für dich.

An alle, die Antwort von mir erwarten: Ich hab hier große Schwierigkeiten, an Internet heranzukommen. Wenns gut läuft, einmal in der Woche (Eigentlich hat das Camp Internet aber in Indien ist halt einfach alles kaputt). Deshalb müsstet ihr mir alle nachsehen, wenn die Antwort später oder auch gar nicht kommt. Trotzdem, seid versichert, ich lese alles und freue mich über jedes transorientalische Lebenszeichen.


So weit, ihr hört von mir.

Liebe Grüße, Fabian


Bilder gibts auch bald, habe gerade nur nicht genug Zeit im Internetkaffee.

Bangalore Zwischenstop

19.08.10

So, es ist Zeit zum Aufbruch. Noch genieße ich den Bangalorer Smog, die Luft, die man hier sehen kann, den Gestank und den ohrenbetäubenden Lärm von tausenden hupenden Autos, Mopeds, Bussen, Kühen und Abzocker-Rickshawfahrern bevor es in die naturbelassene Einöde geht. Ich weiß nicht so recht, ob ich mich freuen oder ärgern soll, denn einerseits mag ich das urbane Leben unglaublich gern (man ist eben Potsdam-Eiche gewöhnt), andererseits kann ich mir gut vorstellen, dass diese Stadt mir nach zwei Wochen unsagbar auf den Wecker geht.
Gerade haben wir auch den ersten Kontakt mit den indischen Rickshawfahrern (eigentlich ein Miniatur-Motorrad-Wohnmobil) gehabt: Die ersten drei Taxis haben sich schlicht geweigert, den Kilometerzähler anzumachen, die nächsten drei haben behauptet, er sei kaputt (alle wollten uns für nur 80 rupees mitnehmen, ca. 1,20 €) und erst der siebte hat uns dann ordnungsgemäß befördern wollen – für am Ende 20 rp, die er dann zwar nochmal verdoppeln wollte wegen irgendwas, was keiner verstanden hat aber was wir als gebriefte Europäer natürlich auch nicht gezahlt haben. So habe wir mit nur 20 Minuten Aufwand, einem schlechten Gewissen und für wüste Beschimpfungen unglaubliche aber wahre 70 Cent gespart.

Dienstag, 17. August 2010

Vorbereitungsseminar


Die Tage fangen langsam so richtig an zu rennen. Genau eine Woche ist die Abreise her und irgendwie können wir uns alle nicht entscheiden, ob uns Indien schon länger oder kürzer vorkommt. Uns bleiben noch zwei Tage hier im Fireflycamp (frag mich nicht, wo der Name herkommt) bevor Ida und ich in Richtung Goa in unser Projekt zuckeln.

Die letzten Tage waren wirklich vollgepackt. Jeden Tag eine Einheit Language Class, eine Einheit Dancing Class und sonst noch Einheiten zu Dos and Don´ts, History, Cast System ect.

Kannada ist übrigens die Sprache die hier (fast) alle in ihren Projekten sprechen müssen. Das ist, kann ich euch jetzt schon sagen, ein äußerst uferloses Unterfangen: 50 Buchstaben, was wirklich nicht das Problem wäre, wenn es nicht sechs verschiedene „da“s, sechs verschieden „ta“s und so weiter gäbe, die sich alle wirklich identische anhören. Da ich ja auch auf eine lange und erfolgreiche Arabischkarriere zurückblicken kann, kann ich euch an dieser Stelle sagen, dass das wirklich Ponyhof hiergegen war. Aber ich hab ja ein ganzes Jahr, da müsste schon was zu machen sein.

Dancing class war, wie wir erst später erfahren haben, für die gestrige Opening ceremony in Bangalore vorgesehen. Was wir noch später erfahren haben, war, dass dort der Außenminister von Karnataka, der gleichzeitig Kulturminister ist, kommen soll. Rein bevölkerungstechnisch bedeutet das Minister von Bayern, Nordreinwestfalen, Badenwürtemberg und Niedersachsen zusammen, also ungefähr 45 Millionen Einwohner. Aus dem Grund waren wir nach dieser Ankündigung etwas aufgeregt aber als sich das Zwetschgenmanderl in sehr gebrochenem Englisch vorgestellt hat, legte sich die Aufregung wieder. Begrüßt würden wir zur Opening Ceremony im 5 Sterne Hotel Taj International mit einem wirklich abgefahrenen traditionellen Tanz einer bangalorischen Musikgruppe, die uns an dem Abend noch einige Einlagen bescherten.


Interessant war der Ablauf dieses Empfangs: Wir wurden mit Musik und Tanz in den Raum geführt, setzten uns und dann passierte...nichts. Circa 20 Minuten unterhielten wir uns leise bis der Herr Minister kam. Dazu mussten wir alle aufstehen und laut (in dieser Weise vorher instruiert) klatschen.

Das ist wirklich sehr auffällig hier. Inder haben ein extrem starkes Hirarchieempfinden. Das liegt, denke ich zum einen an dem doch noch stark ausgeprägten Kastensystem aber zum anderen auch (vorallem in westlicheren Gefilden wie Bangalore) an der schieren Masse von Indern. Wenn irgendjemand ein besonders hohes Tier geworden ist, ein Politiker oder ein reicher Bussinesman, dann ist das etwas vollkommen anderes als in Deutschland. Vorallem Inder untereinander zollen der höheren Position extrem viel Respekt.

Jedenfalls war das bei uns weniger ausgprägt, denn einige mussten bei dem ganzen ernsten Tara ziemlich schmunzeln. Am Abend davor wurde uns auch noch ganz beiläufig mitgeteilt, dass wir ein kurzes Programm – was echt deutsches - selbst einstudieren sollten. So haben wir uns für den Kanon „Zwei kleine Wölfe gehen nachts im Dunkeln“ und „Freude schöner Götterfunken“ (wo ich dazu tröten sollte) entschieden und noch einige Worte zur Europaidee verloren, warum wir das Europalied der Nationalhymne vorgezogen haben.







Hier bei sind wir kurz vor unserer lang einstudierten Präsentation im megaschicken Blumenschmuck.

Danach ging es nach durch ein wie ausgestorbenes Bangalore bei Nacht nach Hause ab in die Heia.

Meine Bauchschmerzen, die bis jetzt angehalten haben, lassen langsam nach, der Körper gewöhnt sich an permanente Mückenstiche, die Schärfe ist fast nicht mehr scharf und die Luftfeuchtigkeit merkt man nur noch, wenn das Badhandtuch nie trocknet – ich bin eigentlich schon ein Einheimischer ;D.


Gute Nacht und bis bald

Donnerstag, 12. August 2010

Angekommen

Schließlich sind wir mit unseren 20 ICJA-Indern angekommen im indischen Subkontinent. Schwer zu glauben, dass das nun für ein Jahr Zuhause werden soll. Überrascht hat mich zunächst, dass man beim Verlassen der Aircondition-Kühlkette von Hamburg bis Bangalore nicht vom erwarteten Hitzeprügel getroffen wurde, sondern das Wetter eigentlich ziemlich angenehm war. Aber dann fiel mir ein, dass hier fast Winter ist und dafür wars dann doch wieder ganz schön heiß. Die erste Woche verbringen alle Volunteers in einer Art indischen Fortbildungsanlage, die einzigen urbanen Tage dieses Jahres, wie ich dachte. Denn praktisch sind wir auch hier schon völlig im Urwald, weit, weit, weit außerhalb von Bengalore. Geckos an der Zimmerwand, eine Monsterschabe im Waschbecken und einen einerm mit einer Art Meßbecher neben dem Klo, dessen Sinn mir erst klarwurde, als ich das Klopapier (vergeblich) suchte. Das Essen ist scharf, immer, von Morgens bis Abends, zum Frühstück (ich hab mir ne Nutella mitgebracht - yes) zum Mittag und zum Abendessen und ernsthafte Magenschmerzen habe ich (bis jetzt als einziger, was für eine Vollschmach) seit ich auch nur indischen Boden BETRETEN habe; nicht einmal ans Essen gedacht hab ich da . Damit ist auch wirklich alles bestätigt, was man sich so unter Indien vorstellt. In der Nacht hab ich dann auch noch vermeintlich trommelnde Affen gehört aber das war glaub ich ein anderes Geräusch.
In diesem Camp sind noch 2 Schwedinnen, eine Finnin und und zwei Schweizer, der Rest Deutsche, und alle werden wir ab heute in einer Woche über Südindien verteilt. Ich werde in mein Projekt mit einer Deutschen kommen und sonst sind es wahrscheinlich noch Franzosen und Kanadier.

Dienstag, 10. August 2010

Abschied

Es ist der 10. August um halb elf und mein Ausflug hat soeben mit der Regio zum Berliner Hbf, von wo es weiter nach Hamburg über Dubai nach Bengaluru geht begonnen. So einige tränenreiche Verabschiedungen liegen hinter mir, auch wenn ich gestehen muss, dass sich so ein ganzes Jahr voller fremder Bilder, Sprachen, Gerüche, Klamotten, Speisen und Gewohnheiten schwer vorfühlen lässt. Abschied zu nehmen und keine Vorstellung zu haben, was sein wird, ist nämlich ein komischer Abschied. Er wird sowohl leichter, weil man nicht fühlen kann, wie das Jahr nach dem Abschied sein wird, als auch schwerer, weil man ins völlig Ungewisse fährt. Man hat Bilder im Kopf, weiß einiges über die Geschichte Indiens, weiß wie Currychicken schmeckt (obwohl ich mir sicher bin, dass es dort kein einziges Currychicken gibt, das nach Currychicken schmeckt) und dass die Inder halb so groß sind wie ich. Aber trotzdem reist man mit vollkommen blinder Erwartung irgendwohin weit weg.