Mein Hood

Mein Hood

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Olympic Games – Kalkeri 2010

16.12.

Eine glorreiche Woche neigt sich dem Ende. Es waren große Emotionen. Tränen der Freude, der großen Sternstunden. Tränen des Versagens, des Zusammenbruchs, des Niedergangs großer Sportnationen.

Die Ehre, die olympischen Spiele 2010 auszutragen, ging für dieses Mal an Indien, das keine Kosten scheute und mit der kolossale Freiluftarena am Big Lake in Kalkeri aufwartete. Ein Athletendorf, genannt Kalkeri Sangeet Vidyalaya, seit acht Jahren sich im Aufbau befindend, setzte der Milliardenstaat in generöser und monumentaler Weise in den Dschungel nebenan. Es war ein internationales Fest, das Seinesgleichen sucht. Alle wichtigen Nationen waren vertreten: Kanada, Indien, Deutschland, Frankreich, die USA, Russland, Australien, China, England und der Geheimkandidat Süd Afrika zogen gemeinsam letzten Sonntag in der Yogahall des Athletendorfes ein. Eine volle Woche zuvor fand in erbitterten Kämpfen die beinharte Qualifikation der besten Sportler der Welt statt. Jeden Tag wurden die letzten beiden letzten Stunden des akademischen Begleitunterrichts der Athleten gestrichen, um am Big Lake die Besten der Besten, unterschieden in drei Altersgruppen und Jungen und Mädchen, herauszusieben.

Der große Tag begann mit der morgendlichen Aufwärmrunde der Volunteers:

Noch Tage vor der großen Eröffnung wurde gerätselt, ob Indien fähig sei, diese Spiele auf sich allein gestellt zu meistern. Peinliche Meldungen gingen um Welt, die Presse zerriss sich buchstäblich das Maul über das Management und die Organisation.

Völlig Mangelhafte Sanitäranlagen:

Gemeinschaftsduschen:

Unterkünfte ohne Betten; die Athleten wurden angehalten, auf dem Boden zu schlafen.

Doch, wie das in Indien eben so ist, hat es diese große Nation alles Essenzielle doch noch auf den letzten Drücker fertiggestellt und die achtstündigen Spiele konnten pünktlich beginnen.

Schon die Eröffnungszeremonie war, wie es scheint, rein auf die große Show, Glanz und Prunk ausgelegt. Bereit, allen anderen Nationen zu zeigen, wo das aufstrebende Indien gerade steht, marschierten alle Nationen nacheinander mit ihrer Nationalhymne in die Yogahall ein. Jeder Nation wurde ein sog. „Volunteer“ beiseite gestellt, zuständig für die Koordination des jeweiligen Landes.

An meiner Seite zog das Team „South Africa“ in den Kampf.

Barbara wurde mit Australien glücklich:

Als Koordinator war man bedauerlicher Weise auch für den Flaggenentwurf zuständig. An dieser Stelle traf es mich schwer, mich nicht für Deutschland, Russland oder Frankreich entschieden zu haben. Australien und ich gingen als letztes aus der Fahnen-Malstunde heraus.

Die Disziplinen reichten von High Jump, Long Jump, 5 Kilo Stoßen, 100 Meter und 800 Meter Rennen bis zum Tail-Game, wobei man einen Stofffetzen aus der Hose des Anderen ziehen muss.

Schnell wurde jedoch klar, dass Süd Africa in diesen Spielen nur eine Nebenrolle spielen würde.

Frankreich jedoch auch:

Es kam zu heißen Einläufen bei den 100 Metern. Saddam Hussein fährt Gold für Kanada ein:

Angeheizt von der olympischen Hymne vertont von Dulu, Akhbar und Pantchacheri:

Sagenhaften Startzeiten bei den 800 Meter Läufen:

Chetan hatte wieder nichts kapiert:

Als Halbzeiteinlage eine sagenhafte Perfomance von „Frau wäscht Bulle“:


Die pure Muskelkraft:


Sukanya beim Weitsprung:

Anjali beim Hochsprung:

Kämpfe auf Leben und Tod beim Tail-Game:

Das Fest neigte sich dem Ende:


Die Preise waren enorm: Allein die blanke Teilnahme erbrachte eine ganze Banane für jeden; denn auch in Indien gilt: Teilnehmen ist alles. Das wird immer so gesagt, dabei stimmt das überhaupt nicht.

Bronze gab eine Frucht namens Chikku (schmeckt auch wirklich höchstens bronzemäßig). Für Silber erhielt man eine Mandarine und für Gold eine Orange plus Chikki (karamellisierter Erdnussklumpen).


Es waren erhabene Momente. Für jeden ersten Platz wurde die Hymne des Landes angespielt (Russland machte wirklich am meisten her; und Südafrika ist äußerst eigenartig).

Hier haben wir unseren südafrikanischen Starathleten Manju Lamani, ein Tier, ungelogen, auf dem ersten Platz. Es ging schon die Idee herum, einen Manju Lamani Preis einzuführen, für den besten Athleten.


Die Preisverteilung auf die Teams:


Der südafrikanische Teamgewinn:

Und wie sah der Medallienspiegel am Schluss natürlich aus? USA war auf Platz eins. Das ist einfach zu lächerlich. Die gewinnen nicht nur immer in echt, sondern auch im Spiel mit 12 Goldmedallien. Wie gibts das denn? Südafrika hatte, ebenfalls realitätsgetreu, gerade mal vier.


Donnerstag, 9. Dezember 2010

Handys


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Wie ich ja letztes mal versprochen hatte, wird noch ein Blog auf den Gebrauch von Mobiltelefonen in Indien folgen. Und diesen schiebe ich doch gleich diesen Freitag hinterher.
Handys stellen hier nicht nur irgendein Gerät des Alltags dar, wie etwa ein Fernseher oder ein Motorrad, sondern haben einen beinahe heiligen Status unter den persönlichen Gegenständen inne.
Wenn man hier nach etwas wie einem Statussymbol sucht, dann wird man als allererstes im Handy fündig. Hole ich hier mein mit Tesa zusammengehaltenen Mobilfunkknochen heraus schieb ich auf den fragenden Blick, warum ein reicher Westler so einen Schrott besitzt, sofort hinterher, dass das das alte Handy meiner Schwester war - worauf mir meist auch noch meine männliche Eigenständigkeit abgesprochen wird. Man mag sich in der ländlichsten Gegend weit und breit befinden, kein Strom, kein Auto im Dorf, der einstündige Marsch zur nächsten Bushaltestelle nach Dharwad wird per Fuß unternommen. Aber ein Handy hat im Dorf jeder Zweite.
Der Sinn solcher Geräte liegt jedoch scheinbar nicht in der Erreichbarkeit oder Mobilität, sondern – zumindest bei der jungen Generation – scheint ausschließlich der Unterhaltung zu dienen. Beim Laufen, beim Autofahren, im Bus, im Zug, beim Arzt, bei langweiligen Reden auf öffentlichen Anlässen, immer läuft hier der zum dahinschmelzende Hindi-Pop. Ein Beispiel aus dieser sagenhaft komplexen und differenzierten Musikrichtung lässt sich auf http://www.youtube.com/watch?v=0RxmkE-0rKM&feature=related finden. Und das nicht, wie bei uns, in Form von dezenten Kopfhörern, sondern mit einer integrierten 500 Gigawatt Basemachine, die so laut sein kann, dass man sich fragt, ob man Handylautsprecher bei uns zuhause irgendwie herunterregelt.
Der witzigste Teil eines Zusammentreffens zwischen einem Handy-Inder und einem Europäer ist, wenn der Inder versucht, sein Gegenüber musikalisch zu beeindrucken, indem er ganz schnell von Hindipop auf westliche Evergreens umschaltet. Dazu gehören an aller erster Stelle Michael Jackson, grundsätzlich „Beat It“ oder „Thriller“, dann kommt meist Beatels und was in Augen indischer Musikliebhaber immer beeindruckt ist die Techno-Version von Celin Dions Titanikknaller „My heart will go on“ - ich habe ihn gefunden: http://www.youtube.com/watch?v=d5Z1KOkuuQQ. Es lohnt sich, versprochen. Bei 3:16 kommt eine ganz irre Modulation, das ist es wert!
Zeigt sich der Europäer immer noch nicht interessiert, wird wieder auf landesübliche Uffts-Uffts-Musik umgeschalten. Ich habe mir vorgenommen, jetzt zum Frontalangriff/musikalischen Späterziehung überzugehen und jede Busfahrt mit unseren kleinen portablen Boxen und Bachs Weihnachtsoratorium zu versüßen. Ich werde eine reine Rezitativ-Compilation zusammenstellen. Da werden die nicht so schnell vergessen, dass bald Weihnachten ist. Gibt sich mein gegenüber damit immer noch nicht geschlagen, vermittle ich deutsche Kultur anhand des Albums „Ballermann Hits Party 2010“.
Auch im täglichen Umgang mit Indern muss man feststellen, dass man auf der Aufmerksamkeitsskala eindeutig hinter einem Mobiltelefon liegt. Erholt man sich in Deutschland gerade davon, Allzeit-Erreichbarkeit cool zu finden und ständiges Sms-Tippen während eines Gespräch als höfliche Nebenbeschäftigung zu erachten, so gibt es in Indien nichts Professionelleres, als eine Unterhaltung alle drei Minuten wegen eines eingehenden Anrufes zu unterbrechen. Und lädt man Personen zum gemeinschaftlichen Abendessen ein, scheint es völlig legitim zu sein, statt sich zu unterhalten, die nächste Geschäftswoche übers Handy zu planen.
Vielleicht nehmen sich das Inder als eine Art Belohnung heraus, hat man es erst mal geschafft, eine Sim-Karte zu beantragen. Denn das ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Mich hat es fünf Gänge zum Air-Tel (die SIM-Firma) Office gekostet, Ida etliche Telefonate, Barbaras Karte wurde nach einem Jahr einwandfreien Funktionierens wieder eingezogen. Man braucht ein Passfoto (nicht zu groß, nicht zu klein, keine falsche Hintergrundfarbe), eine Ausweiskopie, eine Aufenthaltsgenehmigung und einen Zeugen, der beweisen kann, dass man auch wirklich da wohnt, wo es auf der Karte steht .
Wenn man das alles ordnungsgemäß abgeliefert hat, bekommt man Wochen später einen Anruf, bei dem man sich nochmal mündlich ausweisen können muss. Verpasst man den mehrmals, ist die Karte wieder futsch und man kann wieder von Vorn anfangen – und das alles, um eine Handykarte zu kaufen! Das geht bei uns beim Aldi binnen einer Minute.
Zum Abschluss gibt es hier noch einen kurzen Nachtrag zum 6. Dezember; aufgrund der Dauer, die dieses Video zum Hochladen braucht, nur eine Strophe.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Busfahren

02.12.


Mein Kaff und das Boomtown Dharward verbinden täglich, ich glaube, acht öffentliche Busse. Der erste fährt um 6:30 Uhr, der letzte um halb zehn. Im ersten schlafen meist alle, im letzten sind meist alle betrunken.
Dieses gadi („Auto“oder „Gefährt“ in Hindi) einen Bus zu nennen, ist für einen Europäer schwierig.
Erst einmal hat man in indischen Bussen diesen ganzen überflüssigen Schmarn wie Türen oder Fenster und nnenverkleidung entfernt. Eine Tür nimmt nur Platz weg und wenn keine dran ist, dann kann man sich auch noch draußen ranhängen. Einen Fuß im Bus, alles andere außerhalb. Fenster gibt es ein paar im Bus; wenn es also regnet, muss man Glück haben und einen der begehrten Erste-Klasse Sitze mit Plastikplatte im Fenster ergattern. Allgemein ist es ziemlich ungemütlich, bei Regen Bus zu fahren. Auf meiner Heimfahrt von Hampi (nebenbei bemerkt, der schönste Ort auf Erden) saß ich fünf Stunden auf einem der weniger begehrten Sitze mit leckender Scheibe. Die Füße standen im Wasser und jedes Mal, wenn an uns ein Auto vorbeifuhr, musste ich mir das Gesicht wischen. Dem Busfahrer erging es nicht anders.
Den Sitzplatz zu ergattern bedeutet hier ein Kampf auf Leben und Tod. So zuvorkommend und freundlich die Inder auch sind, wenn es um eine Sitzgelegenheit im Bus geht, dann hat der Spaß ein Loch. Da entsteht ein gnadenloser Gerangel, fern jeden Respekts vor dem Alter oder vor Frauen, die eine Tonne Kartoffeln auf dem Kopf tragen. Noch bevor der Bus überhaupt den Busstand erreicht hat, springen die ersten schon auf den noch fahrenden Bus. Und wenn der Bus steht, gilt mitnichten das Gebot, erst aussteigen, dann einsteigen. Ich muss da immer an die entnervten Deutschen denken, die sofort zu meckern anfangen, wenn sich am Ausstieg nur eine Traube Wartender gebildet hat. Hier hat das eine ganz andere Dimension. Da wird der Aussteigende vom Einsteigenden wieder in den Bus zurück geschubst, der Ellenbogen wird ausgefahren und man bahnt sich den Weg zum erstbesten Platz. Ich habe dieses animalische Verhaltensmuster natürlich sofort adaptiert. Ich bin jetzt ein eins-A Drängler und Schubser – da werden die deutschen Busfahrer staunen. Eine weitere geniale Möglichkeit, einen Sitzplatz zu ergattern, ist zu reservieren. Da die Busse, wie gesagt, keine Fenster besitzen, wird einfach ein Handtuch durch das Fenster geschmissen. Sehr beliebt ist auch Kinder durchs Fenster zu stecken. Und das Reservierungssystem funktioniert einwandfrei, da hält sich dann plötzlich wieder jeder ganz gesittet daran.
Bevor die Fahrt losgeht wird immer erst ein Puja vollzogen. Vor der ersten Fahrt um 6:30 Uhr findet ein großes Puja statt, das heißt mit Räucherstäbchen, ein Hindi-Om wird auf groß in die Mitte auf die Windschutzscheibe gemalt und ein Kannad-Om neben den Schaltknüppel. Die Busfahrer, die immer im Bus in Kalkeri nach der letzten Fahrt übernachten, ziehen sich den Pyjama aus und schlüpfen in die khakifarbene Busfahrerrobe. Dann wird Zähne geputzt, man entledigt sich seines Schleims im Hals durch das Fenster mit einer solchen Lautstärke, dass das ganze Dorf dabei aufwacht, und vor dem Losfahren wird einmal kräftig gehupt, damit auch wirklich jedem klar wird, dass jetzt der Bus für die nächsten eineinhalb Stunden weg ist. Im Bus ist es ein solches Geruckel, dass man entweder sofort einschläft oder gar nicht schlafen kann. Wo es in Deutschland nämlich cool ist, wenn ein Bus eine Hydraulik zur Einstiegserleichterung hat, staunt man in Indien über den technischen Fortschritt in Bussen anhand von Dingen wie einem Scheibenwischer oder Rücklichtern. Begeht man den Fehler, sich in einem leeren Bus nach hinten zu setzten, fliegt man bei jedem der ca. 100 Geschwindigkeitspollern auf der Strecke Kalkeri-Dharwad ungefedert bis zur Decke.
Auf dem Weg passiert das, was man vom indischen Verkehr klischeehaft kennt: Völlig gestörte Überholmaneuver, bei denen man den auf der richtigen Seite fahrenden meist ausbremst, 90°- Kurven auf einem Feldweg werden mit dem Bus so schnell genommen, dass man sich meist auf nur zwei statt vier Rädern glaubt und das wichtigste: hupen. Hauptsache immer Hupen. Hupen ersetzt hier den Schulterblick, alle Spiegel, das vorsichtige aus der Ausfahrt herausrollen, beide Blinker, Ampeln, Verkehrsschilder und -regeln. Letztere existieren zwar, treten aber nur aber kaum ersichtlich in Aktion.
Im Bus lassen sich zwei weitere Eigenheiten indischer Kultur beobachten: Der exzessive Gebrauch von Handylautsprechern (darauf werde ich mit Sicherheit in einem eigenen Handy-Blog zu sprechen kommen; nur soviel, der Minister für ländliche Entwicklung meinte neulich: Es gäbe mehr Haushalte mit einem Mobilephone als Haushalte mit Toilette; da müsse man doch was ändern!) und wieder das super-eklige Pankauen. Alle drei Minuten bewegt sich Männlein wie Weiblein zum Fenster, um sich mit einem Rotzer des roten Safts zu entledigen. Den haut es bei genügend Fahrtwind beim nächsten Fenster hinter dem Rotzer wieder durch das Fenster ins Gesicht des Hintermannes. Meist passiert das zwar nur, wenn genügend Alkohol im Spiel ist, also im letzten Bus, aber wenn, dann ist das ziemlich lustig.

Sonntag, 28. November 2010

Dreimontasbericht

28.11.


Diese Woche hat es mich mit ordentlichem Fieber, Husten, Durchfall und sonstigem ins Bett befördert, weshalb ich hier nun ganz langweilig mit dem Dreimonatsbericht aufwarte, den jeder weltwärts-Teilnehmer ans Ministerium abliefern muss.
Voilà:


Dreimonatsbericht I


Drei Monate und es fühlt sich an wie vorgestern“. So, nehme ich an, fängt jeder zweite Drei-Monatsbericht an. Und ja, wenn ich mir vorstelle, dass ich nun seit einem viertel Jahr unterrichte, dann erscheint mir das wirklich ziemlich unrealistisch. Dass seit meiner Ankunft am Bahnhof von Dharwad drei Monate vergangen sind!

Jedoch muss man hierbei stark unterscheiden, was man meint, wenn die Zeit schnell vorübergeht.

Denn wenn ich mir vorstelle, wie viele Gedanken, Stimmungen und Launen in diesen drei Monaten steckten, dann dehnen sich dieses viertel Jahr zu einer Ewigkeit aus.

Drei Monate, in denen ich so schnell und oft zwischen „Alter ist das geil hier; Indien, ich kanns nicht fassen!“ und „Was zum Teufel mache ich hier eigentlich?“ hin und her hüpfte.

Als ich mir überlegte, dieses Jahr zu anzugehen, stand die verblümte Romantik eines Auslandsjahres in einem exotischen Land in geballter Form vor mir: Ein fremdes Land, eine andere Kultur, eine Sprache lernen und dazu noch sozial sein. Ein perfekter Abschluss meiner Schulzeit bevor man sich als Student wieder hinter der Schulbank befindet. Ahnung, was ich studieren sollte, hatte ich ohnehin nicht, wieso also die Zeit in Deutschland absitzen?

So einfach sich dieses Jahr in Deutschland anfühlte, so unerwartet kompliziert war es plötzlich.

Wie oft saß ich in meiner Hütte zwischen Ameisenkolonien und leckenden Dachziegeln im Monsun, mich fragend, was mir die ganze Sache hier eigentlich bringt? Zuhause, noch voll in Schule, Abitur und Alltag steckend, sagte sich das ganz leicht und unbeholfen, als man sich im Telefoninterview um die Aufnahme ins weltwärts-Programm bewarb: „Ich will mal ein Jahr nicht an mich denken; die Bildung, die man in seinem Eins-a-Schulsystem genossen hat, auch anderen zuteil werden lassen; ein Jahr außerhalb der Karriereleiter zu verbringen.“ Klang alles ziemlich schlau und edel und war sicherlich auch genau das, was man sagen musste, um angenommen zu werden.

Doch wenn man dabei ist, seine Selbstlosigkeit auszuleben, dann fühlt sich das eindeutig selbstloser an, als man zuvor angenommen hat.

Der Gedanke an den deutschen Alltag fühlt sich plötzlich überraschend angenehm an, wenn man im Dschungel sitzt, ohne Internet oder irgendetwas, was einen mit Zuhause, Familie, Freunden, bekannten Gerüchen oder Klängen verbindet. Das eigene Leben scheint irgendwie stehenzubleiben, wobei gleichzeitig man meint, dass zuhause alles weiterläuft.

Doch wie das so ist, man gewöhnt sich an alles. Das soll in keiner Weise heißen, ich fühle mich unwohl, habe mich aber darin eingerichtet. Man findet einfach nach der Zeit seine Personen, mit denen man gut kann, seine Orte, wo man sich gern aufhält und wohlfühlt (es gibt einen überaus schicken Park in Dharward, der ein klein wenig eine Biergartenatmosphäre vermittelt – nur halt ohne Bier), findet neue Hobbys und baut sich seinen indischen Alltag so langsam neu auf.

Aber kurz zu meinem Projekt und meiner Tätigkeit: Ich bin im Dorf Kalkeri in der Nähe der Stadt Dharwad in einer Musikschule für klassische indische Musik. Mein Arbeitstag besteht primär täglich drei Englischstunden für die Klassenstufen 3-10. Nebenbei sind täglich eine Nachhilfestunde, eine Lesestunde und eine Schönschreibstunde für die im Fachjargon meines neuen Berufs genannten „weaker students“.

Da Kalkeri Sangeet Vidyalaya (meine Schule) ein Internat ist, verteilen sich diese Aufgaben über die ganzen Tag und somit fühle ich mich mit ca. sechs Stunden täglich und sechs Tagen die Woche wunderbar ausgelastet (ganz im Gegensatz dazu, was andere indische Freiwillige mir von ihren Projekten erzählt haben). Natürlich stöhnt man manchmal doch etwas, wenn der Tag kein Ende finden will. Aber auf der anderen Seite bin ich unglaublich froh darüber, das Gefühl zu haben, wirklich gebraucht zu werden und nicht zum Hängematten-Ausprobieren nach Indien gekommen zu sein. Ein „stressiger Alltag“ ist, so meine Erfahrung, das beste Mittel, eine gefühlsmäßig schwierige Zeit zu überwinden.

Ein weiterer Punkt, über den ich erst nach einigem Nachdenken glücklich geworden bin, betrifft die Lage meines Projekts. Wenn man bei Indien an Dschungel und Affen denkt, dann ist das meistens falsch aber für dieses Projekt trifft genau das zu: Man glaubt sich wirklich am Ende der Welt zu befinden, wenn man die Schule, die auch oft als Aschram bezeichnet wird, über den steilen Trampelpfad betritt. Die Schule ist etwas außerhalb des Dorfes Kalkeri gelagert, das wiederum eine Stunde von der mittelgroßen Stadt Dharwad entfernt ist. Da sich nicht einmal nach Dharwad ein Tourist verirrt, man als Weißer damit ein absolutes Highlight ist, egal wohin man geht, merkt man sehr schnell, dass man wirklich voll und ganz in Indien ist. In der totalen Diaspora, was westliche Konsumgüter oder Lebensweisen angeht (ein „Feinkostladen“ führt Nutella und Kellogs' Choco Crisps, das einzige was an westlicher kulinarischer Erinnerung geblieben ist). Anfangs hatte ich sehr daran zu kauen, überhaupt keinen Kontakt zu den anderen Freiwilligen von ICDE zu haben, keine Möglichkeit in Bangalore oder Mysore die Straßen unsicher zu machen. Aber je länger ich hier war, desto mehr wurde mir bewusst, dass wahrscheinlich kein anderer die Möglichkeit hat, so intensiv und so nah und unverfälscht indische Kultur kennen zu lernen: Die Feiertage konnten wir hautnah in den Familien der Lehrer miterleben, die Sprache kommt einem viel schneller, wenn nur sehr wenig Englisch sprechen und auch einen Zugang zur klassischen indischen Musik findet man sicherlich in keinem anderen Projekt (wobei mir das hier auch nicht unbedingt so richtig gelingt).

Abschließend lässt sich sagen, dass die Monate bisher sowohl dick als auch dünn waren (das lässt sich auch auf meinen Stuhl übertragen), aber in jedem Fall lohnenswert!



Donnerstag, 18. November 2010

Meine Woche

18.11.10


Ich sage es ungern, meine gigantische Fangemeinde in der Heimat, aber es fällt mir zunehmend schwieriger, meinen Wochenblog aufrecht zu erhalten. Es ist schon wieder Donnerstag Abend und mir fällt nicht ein, was ich schreiben könnte.
Eigentlich ist das ja ein gutes Zeichen, denn ich fühle mich so langsam angekommen in Land und Kultur und es entwickelt sich so etwas wie ein „stressiger Alltag“. Ich hätte es nicht gedacht, aber mir fehlte es lange Zeit, dass ein Tag von alleine vergeht, man ihn nicht ständig selbst gestalten muss. Wo man am Anfang dauernd damit beschäftigt war, sich selbst zu beschäftigen, zerrinnt einem nach und nach die Zeit zwischen den Fingern – und das ist wie gesagt ein tolles Gefühl. Man wird gebraucht, hat Spaß daran, denkt nicht viel darüber nach und schon ist der Tag vorbei. Die Kehrseite der Medaille liegt natürlich darin, dass Dinge wie Blog schreiben, Lesen, Hindistudien ect. damit schnell in den Hintergrund rücken. Aber wenn man das dann auch noch unterkriegt, fühlt sich so ein Tag am Abend einfach fertig an und man geht zufrieden ins Bett.
Die unspannenden Ereignisse der letzten Woche: Am Freitag war meine erste Sitar-Stunde mit dem Starguru aus Dharwad, der schon in Frankreich und Deutschland auf Tour war. Eine Stunde bei diesem Sitarcrack in der 6. (!) Generation kostet unfassbare zwei Euro. Die Sitar ist meiner Meinung nach ursprünglich als Folterinstrument erfunden worden. Zuerst einmal muss man sich eine Metallklammer an den rechten Zeigefinger schnallen, der ordentlich fest sitzen muss. Bei intensiver Benutzung wachsen dadurch seitlich am Finger zwei Hornhautgeschwülste, die ihn wie einen Schlangenkopf aussehen lassen. Deshalb sagt Hamid Khan (mein Lehrer) auch: Erst, wenn man die Kobra hat, ist man ein echter Sitarist. Zweiter masochistischer Teil liegt in der Sitzhaltung. Wenn man schon mit dem Schneidersitz seine Probleme hat, sollte man sich zweimal überlegen, ob man Sitar lernt. Auf den linken Fuß muss man sich drauf setzen, so dass der Innenrist aus Ablage für die Sitar dienen kann. Das kann man schlecht beschreiben, das muss man sehen. Jedenfalls tuts sau weh und ich halt es für ungefähr zwei Minuten aus, bis ich wechseln muss (zur Erinnerung, ein Programm dauert so seine 3-4 Stunden). Die schmerzhafteste Angelegenheit aber ist der linke Zeigefinger, mit dem man auf der Stahlsaite hin und her rutschen muss. Die Saite frisst sich nach einer Tonleiter schon ins Fleisch, dass man gleich wieder Pause machen kann. Man entwickelt zwar auch dort jede Menge Hornhaut aber das macht die ersten Stunden trotzdem nicht weniger schmerzhaft. Alles in allem ein suuuper Instrument.
Zweites Highlight der Woche: Unsere Englischlehrerin der höheren Klassen hat wahrscheinlich gekündigt. „Wahrscheinlich“, weil man das in Indien dadurch erfährt, indem der Lehrer einfach eine längere Zeit unabgemeldet fehlt – meist nach einem Gehaltsscheck. Die Dame war – um es lieb auszudrücken – etwas eigen und stieß damit wahrscheinlich auf nicht zu viel Sympathie beim Collegium. Cool für mich, denn jetzt bin ich zum offiziellen Lehrer der Klassen 9 und 10 aufgestiegen. Weniger cool, denn damit bin ich gleichzeitig für die „Abiturphase“ der 10. Klasse (damit entscheidet sich, ob sie aufs College gehen können) verantwortlich. Geschrieben wird das Ende März, aber vielleicht geht das auch wieder um „grandapusses glases on the table like“; dann wird das ein Klacks – oder auch nicht.
Drittes Highlight war das gemeinsame Renovieren unseres Hauses. Unser Volunteerteam hat bisweilen etwas Schwierigkeiten zusammenzufinden (diese Kanadier sind aber auch blöd; nein Quatsch) und so dachten wir, wir machen es wie beim BWM Managerseminar und gehen als hochbezahlte Lehrkörper in den Wald und schmieren uns gemeinsam mit Kuhscheiße voll. Nein, es war wirklich ein super Wochenende und ich kann jetzt jedem, der will, in Deutschland eine Eins-A-Hütte bauen, superökologisch, hundert prozentig nur Naturprodukte. Ich habe jetzt auch ganz offiziell das schönste Zimmer, weil mein Zimmer seit drei Tagen im skandinavisch-ikeanischen Stil mit hochmodernen unregelmäßigen braunen Balken an der Wand erstrahlt. Erst fanden alle, es sieht einfach nach Dreck an einer weißen Wand aus aber inzwischen finden es doch alle gut. Sogar unser Worker stand für lange Zeit vollkommen fasziniert in meinem Zimmer und starrte beeindruckt an die Wand: „Bahut atscha hey, bahut atscha“ (Ist sehr gut, sehr gut!).
Viertens: Die Volunteers nahmen am muslimischen Bakri-Feiertag an einer Schächtparty teil. Das ist der Tag, an dem Abraham seinen Sohn opfern soll; in leicht veränderter Fassung auch im Koran vorhanden. Kasi Sir, ein Office-Mitarbeiter der muslimischen Fraktion (wir haben vier muslimische Mitarbeiter) hat uns zu sich nach Hause eingeladen. Leider hat er an dem Tag aber keinen Schächter für die zwei Ziegen im Hausflur gefunden (die waren alle schon ausgebucht), sodass er uns nur Beef anbieten konnte, was aber überhaupt keinen gestört hat, denn das war das erste Beef seit drei Monaten.
Zum Allgemeinen: Der „Winter“ erreicht hier mit lauen 20-25°C und einer ständig abnehmenden Luftfeuchtigkeit seinen Höhepunkt, was man an den schneller trocken werdenden Klamotten bemerkt (jetzt dauert es nur noch zwei Tage, nicht mehr drei).

Freitag, 12. November 2010

Beziehungen

12.11.10


Beziehungen ist in Indien ein ganz heikles Thema. Eine Beziehung besteht in 99% aller Fälle nur innerhalb einer Ehe. Der Status „Freund“ oder „Freundin“ ist für Inder etwas absolut unnormales, etwas, was Eltern, Familie und Dorf unbedingt verhindern muss, um üble Nachrede zu verhindern.

Das quebecische Pärchen, das seit zwei Monaten hier im Projekt arbeitet, musste sich von Anfang an als Ehepaar ausgeben. Alle Volunteers müssen immer schmunzeln, wenn die beiden vom „husband“ oder „my wife“ sprechen.

So hart sich das auch anhört, natürlich sind Beziehungen unter Schülern auch an unserer Schule strengstens verboten. Heimliches Zusammensein an irgendeinem versteckten Ort wird offiziell mit Rausschmiss geahndet. Vor den Ferien ist eine Zehntklässlerin mit einem Jungen aus Kalkeri hinter einem der Hostels gefunden worden (wahrscheinlich völlig harmlos aber das genügte schon). Die Eltern mussten informiert werden und als die Ferien zu Ende waren, ist zwar ihre Schwester wieder aufgetaucht, nicht aber sie. Sie arbeitet jetzt auf dem Familienacker in ihrem Dorf mit.

Indische Schulen und Internate trennen Jungen und Mädchen allgemein extrem scharf. Getrennte Hostels sind ohnehin Pflicht, hier wird aber sogar getrennt gegessen: In der Yoga-Hall (unser Esspavilion) sitzen die Jungs auf der einen Seite auf dem Boden, die Mädchen auf der anderen Seite. Wenn man allerdings andere Schulen betrachtet, glaubt man sich in einer absoluten Reformschule wiederzufinden: Dort sitzen Jungen und Mädchen auch in den Klassen getrennt und Dinge wie ein gemeinsamer Videoabend (haben wir hier wöchentlich am Samstag Abend; da laufen dann meist Filme aus den Studios Karnattakas, die noch weitaus schlechter und langweiliger als Bollywoodfilme sind) ist absolut unvorstellbar. Und natürlich bleibt Indien trotzdem ein Land, in dem man sich verliebt – neben allen Regeln und Trennungen. Die Volunteers munkeln immer, wer gerade mit wem heimlich liiert ist, nur darf das niemals öffentlich werden, denn dann ist, wie gesagt, die Hölle los.

Die strickte Geschlechtertrennung zieht sich weiter ins College, wo genauso beim kleinsten Anzeichen einer Beziehung der Rausschmiss folgt. Nun braucht man aber nicht glauben, dass sich hier ständig Pärchen bilden, die durch die strikten Strukturen wieder auseinandergerissen werden. In den allermeisten Fällen kommt es überhaupt nicht so weit, denn die von Klein auf antrainierte Distanz vom anderen Geschlecht erledigt das von ganz alleine. Dayanand (18), einer unserer Jungs, die zwar hier wohnen aber schon aufs College nach Dharwad gehen, meinte neulich, dass er nach sechs Monaten heute zum ersten Mal mit einem Mädchen gesprochen hätte.

(Kleine Notiz am Rande: hinter mir in meiner Hängematte wird gerade der Boden renoviert, soll heißen ein fetter Brocken Kuhexkremente zu meinen Füßen verschmiert).

Das Thema Beziehungen wird allerdings erst richtig spannend, wenn man zu den arrangierten Hochzeiten gelangt. Natürlich änderst sich in Indien gerade extrem viel und das tut es extrem schnell. Und natürlich gibt es immer mehr Leute, die sich verlieben und dann heiraten. Aber das ist die absolute Ausnahme. Selbst unser Schulleiter (der drei Jahre in Bangalore gearbeitet hat, was für Inder bedeutet, dass er jetzt ein Beinahe-Westler ist) ist vor zwei Jahren von seiner Mutter mit einer Frau verheiratet worden, die per Zeitungsannonce gefunden wurde und die er einmal vorher gesehen hat. Die Mutter selbst wiederum war mit ihrem Onkel verheiratet und unsere Hindilehrerin wurde in der achten Klasse mit ihrem Cousin verheiratet.

Aber die ultimativ traurigste und unfassbarste Szene hatte ich mit dem Buchhalter unserer Schule – circa 25, recht gut aussehend, hat auch in Bangalore gearbeitet und ist damit ganz klar aufgeschlossener als die meisten anderen. Ich fuhr mit ihm im Bus nach Dharwad und wir unterhielten uns über dies und das – er hat mir jetzt ein second-hand Fahrrad besorgt – und kamen zum Thema Freundin. Ganz erstaunt erfuhr ich, dass er in Dharwad eine Freundin hat. Schnell erfuhr ich aber auch, dass das alles andere als einfach ist, denn als ihre Eltern von der Beziehung erfuhren, haben sie sofort jeden Kontakt unterbunden. Er war die niedrigere Kaste und daher bestand keine Chance. Somit besteht diese Beziehung nun seit einem Jahr darin, dass sie sich übers Handy unterhalten. Als wir aus dem Bus stiegen, bekam er einen Anruf und meinte, ich solle schnell mitkommen. Wir gingen zum alten Busstand und er sagte: „Jetzt schau rechts, nicht zu auffällig, das Mädchen im türkisen Sari.“ Die Szene war filmreif, Romeo und Julia in Echt, atemberaubend, wenn sie nicht so tragisch gewesen wäre. Das wirklich hübsche Mädchen winkte uns zu – ich bin angekündigt worden übers Handy – und nach ungefähr einer Sekunde mussten schnell weiterlaufen. Das ist das Leben eines erwachsenen Mannes, ein einziger Blick am Nachmittag an einem völlig überfüllten Busstand. Manchmal muss Kultur echt zum Kotzen sein...

Donnerstag, 4. November 2010

Mein Projekt

02.11.10

Wie versprochen wird heute das mir schon so vertraut – und damit langweilig – gewordene Thema „mein Projekt“ zu Wort kommen.
Ein normaler Tag in meinem Projekt sieht folgendermaßen aus: Aufgestanden wird um circa acht Uhr – manche, die das schreckliche Los des Morgen-Platecheck (dazu komme ich gleich) gezogen haben, auch früher – und der Tag beginnt mit einer arschkalten Eimerdusche. Man denkt am Anfang noch, nach einem Monat gestählt wie ein Titan zu sein, aber... nein, das tritt glaube ich nie ein.
Darauf wird sich unten auf der Terrasse der Küche eingefunden, wo es leckeren Reis – mal gelben, mal mit Zwiebeln, mal gepufften – und natürlich klassischen indischen Chay zum Frühstück gibt.
Das zweite Frühstück findet direkt anschließend im Volunteershaus statt; Nutella, Jam, Peanut-butter, eben das was man auch unter Frühstück versteht.
Jedem ist ganz sich selbst überlassen, wann er seinen Unterricht vorbereitet aber was mich angeht, findet das jetzt nach dem zweiten Frühstück statt. Ich unterrichte seit den Ferien meine dritte Klasse nur noch in Englisch, davor auch noch Mathe (das habe ich zugunsten englischen Diskussions- und Grammatikstunden mit den Klassen sechs bis zehn eingetauscht). So wird pädagogisch wertvoller Unterricht von mir vorbereitet, natürlcih abgestimmt auf alle persönlichen Bedürfnisse und Schwierigkeiten meiner Kinder, und um 10:30 Uhr fängt die Extra-Class Stunde für die Kinder an, die im Unterricht wieder gar nichts raffen. Da wird dann mit Karten erklärt, Sätze diktiert, Wörter verbessert, zum tausendsten Mal gesagt, dass man im Satz immer klein schreibt, ect. Die Extraclass mache ich im Moment für dritte und achte Klasse.
Von neun bis 12:30 Uhr haben die Kinder in Klassen Instrumentalunterricht, das bedeutet – abgesehen von der Stunde Extraclass – Hängemattenzeit (im Moment Dantes „göttliche Komödie“ und „The Mungus“, ein völlig abgefahrenes Buch eines John Fowl, bei dem ich nicht so richtig durchsteige).
Von eins bis fünf Uhr nachmittags unterrichte ich (nicht durchgehend, ca. 3 Stunden täglich) die dritte Klasse und, wie gesagt, jeden Tag eine der Klassen 6 bis 10. Ich bin übrigens überglücklich nicht die Klassen eins und zwei unterrichten zu müssen – das traurige Los haben Ida und Laura erwischt – denn da macht man seit drei Monaten ABC und Red, Blue and Green und ♫Head and shoulders, knies and toes, knies and toes :||♫. Da würde ich total durchdrehen. Also, wenn ich mal Lehrer werden sollte, einhundert prozentig nicht Grundschullehrer.
Wen es jetzt noch im Detail interessiert: Im Moment ist für die dritte Klasse Präpositionen dran, in, on, under, in front of, behind, beside; dazu hab ich sie heute ein Spiel spielen lassen, wo sie sich zum Nachbarn zu der vorgegebenen Präposition positionieren mussten (also draufsetzen, wenn ich „on“ sage, daneben stellen bei beside).
Für die größeren Klassen mache ich es mir superleicht. Ich nehme mit allen Klassen von 6 bis 10 gerade den Unterschied zwischen Present Progressive und Simple Present durch. Das geht, weil der indische Englischunterricht von Grammatik noch nie etwas gehört hat. Es wird anhand von Geschichten unterrichtet, alles nach Sprachgefühl und weil die meisten Inder eben ein fragwürdiges Sprachgefühl haben, kommt dabei so etwas raus, wie wir es in den Examen gesehen haben: Do you glasses of grandapus on the table to see like? Die Methoden, wie man jemand die Tenses erklärt, variiert natürlich schon etwas.
Um fünf ist eine Stunde Reading Class angesetzt. Vier Kinder müssen mir a 15 Minuten aus einem Buch vorlesen, das sie sich in der „Schulbücherei“ (ja, was wir nicht alles haben; sind allerdings nur zwei Regale) ausleihen können.
Abschließend steht noch das Copywriting an, wobei ich ein paar Kindern einen Satz vorgeben muss, den sie in ein Schönschreibheft ein paar mal übertragen müssen. Das ist natürlich auch ein Witz, dass ich denen zeigen soll, wie man schön schreibt!
Die letzte Aufgabe des Tages besteht im sogenannten Platecheck. Alle Teller befinden sich in zwei Körben und man kriegt erst einen Teller, wenn die Finger mit Seife gewaschen wurden. Das wird von den Platecheckern errochen; so bekommt man jeden Abend 200 Hände ins Gesicht gestreckt. Diese Seife, die hier immer benutzt wird, kann ich auf hundert Meter gegen den Wind riechen.
Nach dem Essen muss dann noch kontrolliert werden, ob auch jeder sein Tellerchen ordentlich wäscht (Asche ersetzt hierbei das Spülmittel und heiße Wasser, was erstaunlich gut funktioniert).
Und ab ungefähr halb neun liegt nur noch die Hängematte an, gemeinsam Obstsalat machen, ein friedliches Nutellatoast als Betthupferl, die Chettai wird ausgerollt und ab in die Heia. Ich schlafe inzwischen auf dem Boden, weil das verglichen mit dem Bett, das nach zwei Monaten eingehender Prüfung aller Schlafstellungen als eindeutig zu klein bezeichnet werden kann, maximal komfortabel ist.

Gute Nacht (schubaratri auf Kannada)


Fahre übrigens wieder in Urlaub, denn hier ist wieder mal Weihnachten. Das ist so praktisch mit so vielen Göttern, da ist ständig Feiertag. Vielleicht sollte man im Christentum... naja...
Dieses Mal gehts nach Hampi; im Lonely Planet steht, man sollte nicht bei Nacht und lleine herummarschieren. Ich glaube das ist Quatsch, das werde ich einfach nicht beachten.
Bis dann

Freitag, 29. Oktober 2010

Hunde

24.10.10

Unser heutiges Thema handelt von den süßen kleinen knuddeligen Vierbeinern, von dem besten Freund des Menschen – dem Hund.

Dieses Land, dieser Ort, diese Schule verwandelt jeden noch so verrückten Hundenarren in den kaltherzigsten Hundehasser. Jeder, der hierher kommt und einen Hund hat, hat nach spätestens zwei Monaten jeden liebevollen Gedanken abgelegt. Wer zuhause seinem Fiffi täglich die besonders ausgewogene Pedigree-Premium Mahlzeit bereitet, der kennt nach zwei Monaten nur noch ein Wort: Hatsch, das indische „Schleich dich“.

Wie ergeht es aber jemandem – in dem Fall ich –, der schon, als er hier ankam, ein Hundehasser war? Man wird zum Monster, bar jeder Gefühle und völlig verständnislos für die Tatsache, dass auch ein Hund ein Lebewesen ist.

Es gibt so viele Gründe, diese Tiere hier nicht zu mögen, da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.

Zuerst muss gesagt sein, dass, wenn der Hund hier überhaupt einen Sinn hat, er NICHT in Schoßtierartigkeit liegt. Wenn hier Hunde zu irgendetwas zu Nutze sind, dann höchstens, dass sie als Alarmanlage für jeden Haushalt dienen. Ein Gang durchs Dorf Kalkeri und man weiß, was ich meine. Zuerst muss man an den beiden hell gescheckten Kötern direkt am Busstand (was gleichzeitig der Dorfplatz von Kalkeri ist) vorbeikommen, die zwar nicht immer aktiv sind, aber wenn, dann dafür umso schärfer sind. Hat man die hinter sich, kann man sich für ca. 50 Meter in Sicherheit wiegen bis man am Haus des ehemaligen Bürgermeisters auf einen Hund mit riesen Klappe aber nichts dahinter trifft. Sobald man zum Stein greift, zieht er den Schwanz ein, fängt an zu winseln und schleicht sich. Darauf folgt aber der gefährlichste Teil auf dem Weg vom Dorf in die Schule: Biegt man am letzten Bananenladen rechts ab, hat man plötzlich einen Kläffer hinter sich und einen, der von links aus dem Haus einer unserer Arbeiter herausgeschossen kommt. Schnell weiter, bloß nicht stehen bleiben, keine Angst zeigen, sonst endet man wie Marie, der die Hunde nach einem Jahr immer noch bellend direkt am Hintern klebten. Ist man da durch, kommt man zu dem kleinen Schwarzen, der sich immer völlig übernimmt beim bedrohlich-Knurren. Er erstickt immer fast, muss dann husten und kurz aufhören und fängt dann wieder an. Die größte Hürde liegt aber am letzten Haus im Dorf, bevor es den Trampelpfad durch die Büsche hoch in die Schule geht. Das ist der große Hund mit dem Evil-Eye, denn er hat nur noch ein Auge und das andere ist feuerrot vernarbt. Man sagt, er habe sich das zugezogen, als er einmal alleine gegen drei Löwen gekämpft hat. Ne, ist natürlich Quatsch. Ihm bin ich einmal allein in der Nacht begegnet, als ich den letzten Bus aus Dharward genommen habe... Ich war wirklich erleichtert, als ich in der Schule ankam.

Der Punkt ist, dass männliche Alarmanlagen natürlich einen viel größeren Effekt haben als weibliche. Und so ist es in Indien Sitte, dass wenn irgendeine Hündin mal wieder geworfen hat – kommt circa zwei Mal im Jahr vor – man die weiblichen Babyhunde schnell in den Wald bringt (wo sie wahrscheinlich alle zusammen glücklich und friedlich in einer Art Amazonengemeinschaft bis heute zusammenleben) und die männlichen zu möglichst guten Wachhunden trainieren will.

Nicht nur weibliche Menschen sind in Indien also am ungemütlichen Ende der Gesellschaft (da folgt sicher nochmal ein eigener Blog), sondern auch die weiblichen Hunde. Meist ist es sogar so, dass wenn unsere Gebärmaschine „Tippu“ in der Schule wieder mal geworfen hat, nachts die Kalkeri-Leute in die Schule kommen und die männlichen Babyhunde klauen.

Allgemein ist hier der Hund nicht zu meinem besten Freund geworden, weil es einfach super nervig ist, wenn man sich den Boden, der in Indien auch den Lebensraum des Menschen bildet, mit dem Hund teilen muss. Ständig kommt so ein gerade im Parasitensee von nebenan gebadeter Hund an, legt sich auf unsere Chettai und schüttelt seine Läuse und Flöhe in unserem open-air quasi Wohnzimmer ab. Weitere Evergreens aus der Liste der nervigsten Hundeaktionen ist in unserer Essenskiste wühlen, vergessene Milchpackungen aufbeißen (darin unterscheiden sie sich allerdings nicht von den Krähen, Katzen und Affen), stundenlanges Gejaule in der Nacht, und – mein absoluter Favourit – Kopulieren auf der Chettai.

Leider teile ich meine Abneigung nicht mit allen Volunteers. Gerade hatten wir ein riesen Drama mit einer Kanadierin, die völlig lernresistent gegenüber dem Umgang mit Hunden zu sein scheint. Als vor einer Woche eine Wagenlieferung Sand für ein neues Klassenzimmer eintraf, haben die Arbeiter einen kleinen Babyhund aus Kalkeri mitgebracht. Natürlich war der Hund weiblich und natürlich konnten wir ihn deswegen nicht behalten, weil weibliche Hunde die Hundeanzahl in Kürze potenzieren. Aber anstatt den Hund in den Wald zu schicken oder in Dharward auszusetzen, hat sie den Hund gefüttert, ihn mit ins Bett genommen (??!) und unserem Haus einen Tierheimflair verpasst. Nur solange, bis sie eine Lösung für ihren Freund gefunden hätte. Was natürlich völlig aussichtslos war, weil in Indien niemand ein Weibchen haben will.
Das Ende der Geschichte ist jedenfalls, dass der Hund, nachdem wir fast auf die Barrikaden gegangen sind, mit zwei anderen schwangeren Weibchen aus unserer Schule doch in Dharwad ausgesetzt wurde – zu den 1000000 anderen streunenden Hunden.

Tja, was soll man sagen, Indien ist ein grausames Land.


Nächstes Mal wird’s mal ganz detailliert darüber gehen, was ich eigentlich hier mache. Mir ist aufgefallen, dass das noch keiner weiß.




Freitag, 22. Oktober 2010

Blabla

21.10.10


Da die Kinder immer noch in den Ferien sind, wir übermäßig gelangweilt hier rumsitzen und ich daher überhaupt keine Ahnung habe, über was ich schreiben soll, bringe ich jetzt alles zu Papier, was mir gerade durch den Kopf geht.
Ich sitze im Moment auf meiner Chettai (das ist die obligatorische Bambus-Sitzdecke, die man benutzen muss, wenn man sich auf den Boden setzen will) bei angenehmen 25°C – der „Winter“ fängt jetzt an – und denke: Scheiß Flöhe. Es kratzt überall, Alarmstufe Rot herrscht im Unterhosenareal. Im Urlaub war alles super, keine eiternden Moskitoboils mehr („Eiter“ heißt auf Englisch übrigens „pus“, der Vorgang, allerdings in schon sehr fortgeschrittenem Stadium, kann mit „to fester“ ausgedrückt werden; eines meiner meist benutzten englischen Worte), keine Flöhe und zu kleinen Feldbetten, aber zurück im Survivalcamp wird man wieder mit der harten Realität unserer im wahrsten Sinne bodenständigen (besser bodenorientierten) Lebensweise konfrontiert.
Vor mir pennt in der neu erstandenen Hängematte einer dieser betont national eingestellten QUEBECISCHEN Kanadier, der ganz klar der Meinung ist, Quebec müsse sich vom englischen Teil Kanadas, also dem völlig verrohten und unkultivierten Teil, unabhängig machen. Quebec könne ja stolz auf seine wahnsinnig lange Kulturgeschichte von 400 Jahren zurückblicken, wohingegen der englische Teil nur der billige Abklatsch der USA sei.
Indien scheint ohnehin der Treffpunkt aller Politik-Irren zu sein. Alle Europäer und Kannadier, die man hier trifft, sind der Meinung, die Welt sei von CIA Agenten unterlaufen und Amerika würde versuchen, die Welt zu beherrschen indem sie den und den Politiker gekauft hätten. Und die EU sei auch nur ein Instrument Amerikas, um seine Wirtschaftsinteressen blabla...
Neben mir ist gerade ein Brocken Erde vom termitenbearbeiteten Dach gefallen – inklusive einiger Termiten.
Da im Moment wie gesagt noch Ferien sind, fallen hier einige unterrichtsferne Dinge an, die die Volunteers machen müssen. Ein bisschen Gärtnern, ein bisschen alte Kinderklamotten sortieren, die Bibliothek sortieren, Tafeln frisch streichen und ein bisschen Hütten renovieren, sonst aber eigentlich nur Faulenzen. Das Hütten-Renovieren war allerdings so eine Sache. Denn der indische Arbeiter hat sein eigenes, spezielles Tempo. Es ging darum eine Wand einer Hütte einzureißen und neu aufzubauen. Ich habe ja wirklich überhaupt keine Ahnung von irgendwas, das mit Handwerk zu tun hat... wirklich gar nicht. Aber wenn man mit unseren Workern arbeitet, denkt man plötzlich, man hat einige Jahre Statik studiert (ist das überhaupt ein Studium?). Als wir nämlich die Wand reparieren sollten, haben sie sich daran gemacht, einen Stützbalken einzureißen, der den Dachträger hält. Und ich musste sie echt ne gute Zeit lang überzeugen, das dann alles zusammenkracht. Als wir dann den Balken mit einem anderen vorsichtig ausgetauscht hatten, haben sie ein Ameisennest aus versehen aufgestochert. Darauf musste erst einmal ein Feuer gemacht werden, um die Ameisen wegzubrennen – was überhaupt nicht funktioniert hat – und als das nichts half, musste eine Pause eingelegt werden; weil die indischen Ameisen beißen nämlich wahnsinnig fest zu. So haben die Arbeiter in zweieinhalb Wochen statt zwei neuer Häuser, zwei renovierten Klohütten und einem renovierten Haus eine renovierte Wand geschafft (naja, beim Klo machen sie so langsam Fortschritte). Die im Moment fehlenden Klos haben es aber in sich. Da wird jeder Gang zur Trekkingtour – mit chronischem Durchfall ist das echt kein Spaß (zwei andere Volunteers, die in einem anderen Projekt in der Nähe von Bangalore sind haben, wohl aufgrund der wahrscheinlich fragwürdigen hygienischen Bedingungen im Projekt – schon sagenhafte zwei Monate Durchfall; yeah Indien). Aber eigentlich reden wir hier schon dauernd vom Stuhl, darüber will ich nicht zu viel bloggen.

Bis auf sich häufende Läuseattacken und eben... meinen fragwürdigen Stuhl geht’s mir prima.
Liebe Grüße ihr Amerika-Schergen,
Fabian

Es gibt ein paar neue Bilder von Gadak, Ganapatie ect.

http://picasaweb.google.com/fabian.hafner/Indien02092210#

Samstag, 16. Oktober 2010

Examen und eine eigenartige Nacht in Gokarna


14.10.10

Frisch aus dem Urlaub in Kerala zurückgekehrt, muss ich zunächst noch ein wenig zurückgreifen und von den Halbjahresexamen, die die letzten zwei Wochen stattfanden, berichten.

Alle Kinder müssen, bevor es in die Ferien geht in jedem Fach sowohl mündlich als auch schriftlich geprüft werden. Die Aufgaben der Klassen 1-4 stellt die Schule, der Rest kommt vom Government. Jeder Volunteer wurde einer Stufe zugeteilt, die er beaufsichtigen musste, dass nicht beschissen wird. Ich bekam die 5. Klasse zugeteilt, bestehend aus gerade mal 9 Leuten und hatte auch noch den Lehrer an meiner Seite – ein völlig hoffnungsloses Unterfangen für jeden Abgucker.

Es war eine eigenartige Situation: Gerade mal ein paar Monate nicht mehr in der Position, in der man alles versucht hat, um mit möglichst wenig Zeitaufwand gute Noten zu schreiben (will heißen, so mit Spickern bestückt, dass man gar nicht mehr weiß, wo man jetzt welchen versteckt hat) sitzt man plötzlich auf der anderen Seite am Hebel, die verzweifelten Würschte mit einem betont strengem Blick zu strafen, wenn sie sich gerade in optimale Abschreibposition rücken. Man weiß selber noch genau, wie man vor jedem Versuch erstmal den Blick Richtung Lehrer richtet und wenn der gerade zufällig herschaut, einfach so tut, als ob man nur gelangweilt durch die Gegend schaut. Das macht auch der Inder nicht anders. Doch Dank meiner einzigartigen dreizehnjährigen Insider-Ausbildung im Milieu des Feindes gab es nicht die geringste Sicherheitslücke und so basieren nun höchstwahrscheinlich alle Sechsen der 5. Klasse auf Hundert Prozent Ehrlichkeit und Eigenständigkeit.

Die Examen selbst, die vom Government kamen, waren ein Witz, zumindest die Englischexamen. Wie man auf zwei Seiten so viele Fehler einbauen kann, ist einfach unbegreiflich. Wenn es nur Rechtschreibfehler in den Aufgabenstellungen waren, war das zu ein verzeihliches Vergehen. Aber wenn der Satzbau der Frage sowas von falsch ist, dass man die Frage nicht mehr versteht, dann ist das ein echtes Problem. So mussten wir die erste halbe Stunde gemeinsam in der Klasse das Question-Paper auseinandernehmen, verbessern und das völlig unverständliche rausstreichen. Und das war eine staatliche Prüfung die halb Karnattaka geschrieben hat...

Hier meine absolute Lieblingsfrage:

Do you glasses of grandapus on the table to see like?

Nach den Examen hab ich schnell meine Rucksack gepackt und bin Richtung Kerala abgedampft, wo alle 25 Volunteers sich getroffen haben und wir uns ein Hausboot für eine Nacht gemietet haben. Mein Zwischenstopp aber war in Gokarna, einem absolut wunderhübschen Badeort an der Westküste Indiens, ein wenig südlich von Goa. Der Ort selbst ist ein Wallfahrerort für Hindus – alle Tempel für Touristen unzugänglich – und an den Ort grenzen vier Strände nacheinander an. Von einem Strand zum anderen braucht man ca. 30 Minuten. So habe ich mir erst einmal eine Hütte für 2€ die Nacht direkt am Strand (also nicht irgendwie in Strand-nähe oder nah im Sinne von „man kann den Strand sehen“ sondern wirklich auf dem Strand) gemietet und nach zwei Monaten adaptiver indischer Lebensweise den absoluten Vollblut-Touri ausgepackt: Nur noch in kurzen Hosen (oder gleich ganz in Badehose) herumgelaufen und im Restaurant alles Nichtindische bestellt, was es auf der Karte gab. Sollten mich die Brahmanen im Ort doch für die Zügellosigkeit in Person halten; ich hatte das Gefühl ich hatte es verdient.

Aber ich will eigentlich nur von der ersten Nacht in Gokarna berichten, der Rest ist in jedem Reiseführer schöner nachzulesen.

In meinem Lonley Planet, das ist mein 1000 seitiger Indienführer – dickes Danke an Gertraud, falls du das ließt, es war die beste Indienanschaffung, die ich hatte – steht drin, dass man von dem ersten Strand niemals bei Nacht oder Alleine zum zweiten wandern sollte, denn man muss erst eine kleinen Dschungelpfad recht steil einen ziemlich bewaldeten Berg rauf, der oben eine große kahle Plattform hat, ziemlich weitläufig aus flachen Felsen und Wiese besteht, nach vorne steil als Klippe zum Meer hin abfällt und an der anderen Seite wieder durch den Urwald runter zum zweiten Strand geht. Was mach ich? Marschiere bei Nacht und alleine los. Es war zwar noch nicht dunkel aber ich wusste, wenn ich zurückkommen würde, würde es das sein. Zu meiner Verteidigung hätte ich aber vorzubringen, dass ich den Hüttenbesitzer gefragt habe, ob das ein Problem wäre, worauf der meinte: Is no problem; with torch, is no problem. Aber wie es dann in Indien meist so ist, wurde es dann doch zum big problem.

Ich kam am anderen Strand problemlos an, hatte einen leckeren Chai, ein leckeres Abendessen und eine gute Unterhaltung mit zwei Israelis (unglaublich wieviele Israelis in Indien herumreisen; einer hat mir erklärt, dass das daran liegt, dass sie in kaum ein anderes Land noch problemlos einreisen können). Etwas sorgenvoll habe ich die vom Meer heraufziehende schwarze Gewitterwolke betrachtet, die mit ordentlich Geblitze auf uns zukam. Entweder jetzt noch schnell rüber oder nach dem Gewitter... Falsche Entscheidung: jetzt.

So machte ich mich beim letzten Abendlicht auf und auf halbe Strecke hat es auch schon geschüttet wie die Sau. Bis ich auf der Bergkuppe war, war das Gewitter über mir, es goss und war stockdunkel. Sehr beruhigend, zu wissen, dass man im Moment der höchste Punkt weit und breit ist, kein Baum in der Nähe, andere Irre, die beim Gewitter auf einen Berg steigen, sowieso nicht. Es wäre alles kein Problem gewesen, wenn ich schnell die 200 Meter über die Plattform gerannt wäre, wieder rein in Dschungel und schon wäre ich in meiner Hütte. Nur, ich fand den verdammten Weg in diesen verdammten Dschungel nicht mehr. Ich rannte sicherlich eine halbe Stunde lang auf der scheiß Plattform herum, mit einer kleinen Funzel in der Hand, bis auf die Unterhose durchnässt, Blitz und Donner über mir, völlig die Orientierung verloren. Jedes Mal, wenn ich dachte, ich hätte den Weg gefunden, endete der in irgendeinem Gestrüpp im Wald. Einmal kam ich an eine Art kniehohe Kaktushecke. Die Antwort, warum man denn hier eine Kaktushecke pflanzen muss, fand ich, als ich mit der Taschenlampe dahinter leuchtete: Ich stand direkt am Abhang der Steilküste; vor mir fiel es etliche Meter direkt ins Meer ab. Unten rauschte das Meer gegen die Felsen. So langsam wurde ich panisch, als ich irgendwo weiter oben ein Licht sah, das zwar nicht der Strand war, aber zumindest etwas. Ich fand einen Weg zu dem Licht und gelangte zu einem Tempel, der – glücklicherweise – offen war. Es war zwar niemand drin, aber wenigstens, trocken und warm.

Ich musste an dem Moment an Luthers Berufungserlebnis denken; dachte mir, wenn ich das überlebe, trete ich dem Hinduismus bei.

Im Tempel hab ich mir zunächst alle Klamotten vom Leib gerissen, ausgewunden und mir auf den erstaunlich sauberen Fliesen mein Nachtlager bereitet. Ich hab mir vorgestellt, wie ich am nächsten morgen von der Tempelpolizei wegen schändlichster Entweihung eines Tempels durch einen nackten Touristen abgeführt wurde. Aber soweit sollte es nicht kommen, denn nach einer gefühlten Ewigkeit (ich hatte natürlich kein Handy oder eine Uhr dabei und eine Million Moskitos hielten mich vom Schlafen ab) hörte es auf zu regnen und ich sah ein paar Autolichter die Plattform heraufkriechen – gerettet von 5 betrunkenen Bangalorern, die aus dem Ort kamen und an den gleichen Strand wollten wie ich.

Ich bin hiermit zum Hinduismus übergetreten, trete aus der Kirche aus und huldige ab jetzt Krishna und Parvati.

Der Rest meines Urlaubs verlief so unspektakulär, dass er nicht der Rede wert ist (außer vielleicht die zwei Nonnen, die ich auf meinem 20-stündigen Heimweg getroffen habe, die 24 Jahre in Freiburg an einer Mädchenschule gearbeitet haben und ganz entsetzt waren, als ich ihnen über die Missbrauchsfälle in Deutschland erzählt habe).

Jetzt bin ich wieder daheim (klingt komisch, das zu sagen ;D) und genieße die schülerlose Schule noch gute 10 Tage lang.

Liebe Grüße,

Fabian

Mittwoch, 22. September 2010

Weihnachten Reloaded – die Party geht weiter!


Jeden Freitag, wenn es für mich wieder heißt "Ein Tag ohne Schraz", denn da ist mein einziger freier Tag in der Woche, machen Louis und ich uns auf, Nutella, Chips und Schokolade in Dharward zu kaufen. Louis wollte gleich ins Internetcafé - ich noch nicht – und so ging ich meiner Lieblingsbeschäftigung in Dharward nach: Alleine draufloszulaufen, immer der Nase nach, wohin die nächst Gasse einen führt. Denn das funktioniert immer: jedes Mal wird ein Abenteuer daraus.

Zunächst lief ich den Bazar hinunter, der am Ende in einer Art Slum mit einigen Wellblechhütten auslief (wobei man sagen muss, dass Dharward eine verhältnismäßig reiche Stadt ist, verglichen mit den echten großen Slumstädten wie Bombay oder Kalkutta). Den Slum ging es etwas bergab (das bekannte Zootiergefühl in ständiger Begleitung) und am tiefsten Punkt blickte ich nach oben und sah eine Art Burg zwischen den Hütten herausragen. Ich ließ mir sagen, dass das ein Hindutempel ist. Dort angekommen betrat ich einen recht großen Tempelkomplex, der Hauptgang führte zu einem Gebäude, aus dem ziemlich lauter Männergesang drang. Sonst sah ich absolut niemand.

Als ich in das Gebäude hineinschaute, sah ich ca. 10 Männer, halbnackt, nur mit einer Art Toga bekleidet, um ein Lagerfeuer (im Raum) sitzen und so ein monotones Hindupuja abhalten.

Ich dachte schon, jetzt störe ich die indischen Freimaurer bei einer geheimen Zusamenkunft und wollte schon wieder gehen, als mich einer sah und natürlich, wie alle Inder, völlig außer Rand und Band, einen Weißen zu sehen, baten sie mich, mich dazuzusetzen. Es stellte sich raus, dass das alles Bramanen (die oberste indische Kaste) waren und ich in einer ziemlich bekannten Sanskritschule (Sanskrit ist die indische Ursprache) gelandet war. So hielt ich alleine in einem geräumigen Tempelraum, der durch die Gitterstäbe überall mehr wie ein Wrestlingkäfig anmutete, mein persönliches Bramanen-Ganeshpuja (Ganeshfestival dauert zwischen 10 und 21 Tage) ab. Das sind solche Momente, von denen man weiß, dass sie kein Tourist der Welt haben wird. Dafür lohnt es sich einfach, im indischen Indien zu wohnen.

Nach einer Stunde zeigten mir die Bramanen die ganze, zu dem Zeitpunkt völlig verlassenen Schule (die aber wirklich mehr wie ein Gefängnis aussieht, weil kein einziges Möbelstück drinsteht) und führte mich zuletzt aufs Dach des Schultempels, von wo aus ich einen sagenhaften Blick über ganz Dharward hatte.

Zum Abschluss erhielt ich eine geweihte Banane und sie baten mich, am selben Abend nochmal zu kommen, denn da sei ein weiteres großes Ganeshpuja. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und so kaufte ich selber ein paar Bananen, Blumen und für den Ort recht bekannte Teigbällchen als Opfergaben und ging abends wieder zum Tempel (keine Angst, ich bleibe der Trinität treu; außerdem bräuchte ich ja einen Hindutempel in Potsdam, ich glaube, es gibt keinen). Es war ein erhabenes Gefühl, bei Kerzenlicht mit zwanzig Bramanen, die eine Stunde unentwegt Sanskritverse sangen, diesen kleinen gemütlichen Ganesh-Gottesdienst (aber im Schneidersitz; neeein) zu feiern. Danach wurde wieder prozessiert und der Ganesh ertränkt. Dieses Mal habe ich bei der Prozession so ein Böller aber sowas von hart an den Kopf bekommen, dass ich jetzt ein ordentliches Horn auf der Stirn habe.

Der Abend war noch nicht vorbei, denn um Mitternacht stand noch eine Dancingparty, wieder bei Avinashs (Rektor) Haus auf dem Programm. Da mein Programm aber viel früher aus war, habe ich zwei Stunden mit besoffenen Indern am großen Busstand verbracht.

Die Party begann, ganz europäisch, zu zehnt (wieder alle möglichen Verwandschaftsverflechtungen) mit Vorglühen auf dem Dach des Hauses von Avinashs Bruder. Wir stürzten einen abartig greisligen indischen Wisky, verdünnt mit irgendeiner Fanta, weil man es sonst nicht trinken könne (und das unter erwachsenen Männern... ts, die Inder...) hinunter.

Was weniger europäisch war, war die Tatsache, dass es nur Männer waren. Bei allen Veranstaltungen dieser Art ist niemals eine weibliche Person anwesend, sehr zum Ärgernis aller weiblichen Freiwilligen hier. Der echte Nachteil hieraus sollte sich wenig später herausstellen.

Die Party sah dann folgendermaßen aus: Auf einem Traktor wurde eine circa drei Meter hohe Lautsprecherwand montiert, mit der man die halbe Stadt beschallen konnte. Dieser Traktor fuhr gaaaanz langsam durch die nächtlichen Gassen Dharwards und direkt vor dem Traktor tanzen circa 200 pitschnasse (es hat natürlich geregnet) Inder. Avinash hatte uns vorgewarnt, dass es zu geringfügigen Komplikationen kommen könnte, wenn wir auftauchen, denn wie immer sind wir überall die Hauptatraktion. Hinzukommt das eigenartige Verhältnis der Inder zu Alkohol: Alkohol gibt es in Indien nur in speziellen Liquor-Shops. Und diese Liquor-Shops spielen statusmäßig ungefähr in der Liga von Rotlichtmilieu und Sexshops (wobei ich hier noch nie einen Sexshop gesehen habe). Wenn man hier eine Rum kauft (der noch viel greisliger ist als der Wiskey) dann kriegt man den in einer undurchsichtigen schwarzen Plastiktüte – schlau, denn wenn man eine schwarze Plastiktüte in der Hand hat,weiß natürlich jeder was drin ist - , Bier kosten mehr als Deutschland und schmeckt wie Wasser, und wenn eine Frau in einem solchen Shop einkehrt, dann wird sie sofort als Prostituierte abgestempelt (deswegen müssen die männlichen Volunteers immer die doppelte Menge kaufen; die müssen uns für die Totaljunkies halten). Alkohol ist also völlig verpönt.

Gleichzeitig aber sitzt jeden Abend im Bus mindestens ein völlig betrunkener Inder, der dich eine Stunde lang auf Kannada volllallt und überall gibt’s Werbung für die anonymen Alkoholiker. Das, was die Kultur verbietet, tritt an anderer Stelle wieder in extremer Form zu Tage.

Auf der Party waren jedenfalls die Hälfte der Jungs und Opas ziemlich dicht (ich habe zum ersten Mal einen Inder kotzen sehen). Gepaart mit übermäßiger Aufmerksamkeit uns gegenüber und einem Totalmangel an anzutanzenden weiblichen Personen war das eine ganz schlechte Mischung. Ständig wurden wir von Jung und Alt angetatscht, angetanzt, gezogen, geschubst, bis Avinash seinen Kumpels und Verwandten die Anweisung gab, auf uns besonders Obacht zu geben. Es war fantastisch: Wir hatten unsere eigene, mit uns sich bewegende VIP Area, die uns den besoffenen Pöbel vom Leib hielt.

Der Abend endete mit einem Gemenge zwischen Polizei und Mob, der sich entgegen den Regeln nicht weiterbewegen wollte. Interessant dabei ist, dass in Indien auch der Mob gewinnen kann, denn nach circa einer Stunde Diskutieren ohne Musik hat sich die einfach Polizei verzogen und die Menge johlte. Das ist doch mal Demokratie! Diskutieren scheint hier allgemein einen hohen Stellenwert zu haben, auch beim Volleyballspielen wird immer mehr diskutiert als gespielt. So hat Indien schließlich auch die Unabhängigkeit erlangt, die haben die Engländer einfach rausdiskutiert.

Gute Nacht Deutschland!


Es gibt uebrigens ein paar neue Bilder (wieder auf der Bilderadresse), kommt aber bald ein groesserer Schwung.

Freitag, 17. September 2010

Ein frohes Ganapati euch allen!

16.09.10

Ich dachte schon, diese Woche wäre nichts interessantes zu berichten aber siehe da, plötzlich geht es Schlag auf Schlag.
Das erste der zwei Megaevents war eigentlich ein sehr trauriger Anlass, bei dem Louis und ich aber voll auf unsere Kosten kamen. In unserer Haupthalle steht schon seit ich hier bin ein Schrein mit einem Photo eines blinden Typen, der von allen nur Gurugi (Lehrer + „gi“ als Respektsanhängsel) genannt wurde. Sein eigentlicher Name war Pandit Putaraj Gayai, ein anderer war „Father of Music“ , denn er konnte alle Instrumente übermäßig gut spielen und wird deshalb weit über die Grenzen Karnattakas in ganz Indien fast wie ein Gott verehrt. Fast alle Kinder hier tragen eine Kette mit seinem blinden grinsenden Konterfei drauf um den Hals und viele der Musiklehrer hier hatten bei ihm persönlich Unterricht (was auch die Musiklehrer ziemlich besonders macht; alle Schüler küssen ihnen die Füße, wenn sie den Raum betreten). Der Gurugi jedenfalls ist irgendwas in den hohen Neunzigern sehr arg am Ende seiner Tage.
Am Montag Abend dann kam die Nachricht rein, dass der Zustand des Gurugi, der ohnehin schon so war, dass er unansprechbar im Bett lag, sich plötzlich rasant verschlechtert und er wohl in den nächsten zwei Tagen sterben wird. Für die 18 besten Musiker der Schule hieß das, dass Louis und ich mit ihnen ins drei Stunden entfernte Gadak fahren sollten um ihm dort die letzte Ehre zu erweisen.
Die erste Aufgabe war die Anreise. Avinash, der indische Rektor der Schule, meinte, er hätte einen Bus für uns 20 Personen organisiert, inklusive Fahrer, der uns dort hinbringen und wieder zurückfahren sollte. Der Fehler in der Planung (wobei wahrscheinlich kein Inder hier von Fehler sprechen würde) war nur, dass das Vehikel auf keine Fall ein Bus war, sondern eher ein geräumiger Jeep. Ich musste beim Einsteigen ständig an Tetris denken. Louis, ein Schüler und ich, den Steuernknüppel zwischen den Beinen, saßen vorne, 19 andere Kinder ineinander verknotet und gestapelt hinten. Als wir die Tür zubekommen hatten und wir auf dem Weg von Kalkeri nach Dharward waren, schüttelte der Schüler neben mir den Kopf und meinte, er glaubt, dass es schwierig wird, die zwei Musiklehrer aus Dharward noch reinzubekommen... Es waren nicht zwei, es waren vier. Eigentlich war das physikalisch gar nicht möglich aber in Indien geht alles. 3 Stunden Fahrt...
Wir kamen also im Ort des Gurugi, passierten gefühlt eine Million Polizisten und reihten uns in der Schlange von Gefühlt einer Milliarden Indern ein, die sich durch den ganzen Ort zog.
Ich muss an dieser Stelle noch kurz ausholen. Dharward ist ein ausschließlich indischer Ort ist. Es gibt in dieser Stadt unter einer knappen Millionen Menschen keinen Weißen außer uns 6 Volunteers. Deshalb fühlt man sich bei jedem Ausflug immer ein wenig wie ein Zootier. Inder haben keine Hemmungen, in einer Gruppe von zehn Erwachsenen Männern sich neben dich zu stellen, während du ein Toastbrot kaufst und dich auf einen halben Meter unentwegt anzustarren. Ich find das immer ziemlich lustig aber bei den weiblichen Volunteers stößt das mehr auf Unverständnis, wohl aber auch, weil die Blicke meist anderer Art sind.
Wir waren es jedenfalls gewohnt, etwas „Besonderes“ zu sein aber das, was in Gadak los war, hatte eine andere Dimension. Da das Event nationale Tragweite hatte, waren zig TV Sender mit Sendewagen angereist und es wimmelte von Reportern. Als wir dann in der Schlange in der Nähe des Haus des Gurugi auftauchten, wurden Louis und ich plötzlich von Kameras bestürmt und uns wurden ständig Mikros unter die Nase gehalten. Ja, wir stahlen dem guten Gurugi eine Zeitlang die Show. Indische Interviews basieren aber nicht auf Fragen, sondern man muss einfach nur was sagen. Da wir das erste Interview grandios in den Sand gesetzt hatte, wurden wir schnell von Dulu, einem der älteren Schüler, gebrieft: Erstens, sagen wo wir herkommen, zweitens die Schule erwähnen und, was besonders gut käme, zu sagen, we came here to pray for Putarajs health.
Es hat alles super geklappt bis auf den letzten Part: We came here to pray for the health of …. of... the guy's health. Da hatte ich doch vor dem größten karnattakischen TV Sender, Chanel 9, den Namen des überall bekannten Halbgottes vergessen. Ich habe keine Ahnung, ob das gesendet wurde, ich hoffe jedenfalls nicht.
Nach 2 Stunden Schlange stehen, sah die Audienz dann folgendermaßen aus: Man hatte genau eine Sekunde Zeit, einen Mann mit Beatmungsmaschine durch ein 50x50cm großes vergittertes Fenster zu sehen, bevor man von 10 Polizisten weg geschubst wurde.
Da hatten sich doch 6 Stunden Flüchtlingsbus gelohnt. Zum Abschluss gab es ein vom Gurugi spendiertes kostenloses Mittagessen für alle - eine Art Prä-Leichenschmaus - bevor es schließlich nach Hause ging.
Tja, und am Tag darauf kam meine dritte Klasse mit einer Zeitung auf mich zugerannt, in der ich groß mit Bild abgebildet bin mit der Bildunterschrift: „Sogar aus Berlin, Deutschland, kam Fabian Hafner angereist, um dem Gurugi die letzte Ehre zu erweisen“. Da hat der Reporter meinen langen Ausführungen über meine Lehrtätigkeit in Kalkeri wohl nicht ganz folgen können.

Nun noch kurz über das zweite Großevent, das in dieser Woche stattfand. Im Moment befinden wir uns alle, ja, das wisst ihr natürlich nicht, in der Weihnachtszeit der Hindus. Ein fröhliches Ganapati euch allen! Die Feiertage um den Gott Ganesha (der Gott mit dem Elefantenkopf für die ganzen Heiden daheim) sind eine der wichtigsten im Hindukalender. „Is like Christmas in your counrty“, meinte mein kleiner muslimischer Lieblingsstreber Sohil (ich dachte immer, Lehrer hassen Schleimer, aber es geht doch nichts über einen immer grinsenden, deine Tasche tragenden Einserschüler, der besser Englisch spricht als alle anderen und kamaradenschweinisch die anderen verpfeift, wenn sie die Hausaufgaben nicht gemacht haben – ein kleiner Schatz, dieser Junge). Letzten Sonntag wurde in jedes Haus eine Ganeshfigur aus Gips hineinprozessiert (je nach Vermögen fällt die Figur größer oder kleiner aus), ein langes Puja (Gebet) gehalten und am Mittwoch wurden die Figuren feierlich in den nächsten See, Fluss oder Brunnen geworfen. Die feierliche Atmosphäre sollte man aber nicht mit unserer weihnachtlichen Gediegenheit vergleichen, sondern mehr mit Silvester. Avinash, der Rektor, hat Louis, Pierre und mich in sein Haus in Dharwad eingeladen (die Mädchen nicht, weil es zu gefährlich sei; siehe unten), um dort mit seiner Megafamilie (es waren mindestens 30 Cousins, Schwestern, Aunties, Schwager und sonstige Verwandschaftsbeziehungen, die es in Deutschland glaube ich gar nicht gibt) Ganapati zu feiern. Es gab erst was zu essen, nein, leider keine Weihnachtsgans sondern... ja, Reis halt und dann ging die Prozession los. Besonders hervorzuheben ist der finanzielle Aufwand, der hierbei betrieben wird. Hier wird nicht in Geschenke investiert, sondern in Böller. Avinashs Familie hat insgesamt 30000 Rs in Böller investiert: Es war Krieg in den Gassen Dharwards, das kann sich keiner vorstellen! Keine langweilige EU geprüften, mit dem EC-Zeichen versehenen Kracher, sondern echte Sprengsätze werden da geworfen. Auf der Hinfahrt hat mich Avinash gefragt, ob ich was Brandfestes anhätte; da wurde mir schon etwas mulmig. Man stand im Pulverqualm und hat die eigene Hand vor den Augen nicht mehr gesehen. Vor dir, hinter dir, zu deinen Füßen kracht es, zwischendrin rauscht ein Motorrad durch die kleine Gasse, mitten durch die Feiergesellschaft. Wir überlebten alle mit einem ordentlichen Tinitus. Es war das abgefahrendste Weihnachts-Silvester bei 25°C, das ich je erlebt habe und sicher auch erleben werde.
Der Ganesh wurde ertränkt mit dem ausgerufenen Ritus „Ganpatibabaaaa“ (worauf alle „Moorja“ schreien müssen), dann gabs wieder was zu essen und um halb zwei (enorm spät für indische Verhältnisse) ging es dann in die Heia. Aber Ganapati ist noch nicht vorbei, juhu. Freitag geht es weiter mit einem dicken Danceparty, wieder bei Avinashs Familie. Und die soll erst um Mitternacht losgehen.


Grüße aus dem Dschungelcamp und genießt eure Feiertage!

Freitag, 10. September 2010

Musik

Heute möchte ich ein wenig über Musik sprechen. Es ist zwar viel zu früh, etwas inhaltliches über indische Musik zu erzählen, aber da ich ja in einer Musikschule arbeite, ist es an der Zeit, wenigstens ein paar Worte darüber zu verlieren.

Alle Schüler müssen von der ersten Klasse an in den Gesangsunterricht und bei genügend Interesse und Begabung soll dann später ein Instrument dazukommen. Unterrichtet wird hier Sitar (kennt denke ich jeder), Tabla (zwei kleine Trommeln), Chennai (die schon erwähnte nervige indische Oboe), Basuri Flöte (Bambusflöte), Geige, und Harmonium (eine Art tragbare Paarung von Klavier und Akkordeon) und geübt wird jeden Tag von 6 Uhr bis 11:30 Uhr, danach gibt’s Academic-Unterricht.

In Dharward befindet sich ein staatliches College, dessen Direktor ein Mitgründer unserer Schule in Kalkeri ist. Da Dharward für klassische Hindustani-Musik ziemlich bekannt ist, treten unter anderem in diesem besagten College Klassik Stars aus ganz Indien auf.

Am Sonntag gab es so ein Programm (eine sehr bekannte Sängerin sollte auftreten), zu dem Laura und ich mit 13 Kindern nach Dharward fahren sollten. Es reicht in dieser Stadt schon, sich alleine nicht über den Haufen fahren zu lassen aber mit so einer Truppe Kindern bekommt das gleich eine ganz andere Dimension. Weder Laura noch ich kannten den Weg von der Busstation zum College, also mussten wir uns auch noch führen lassen.

Das Konzert sah folgendermaßen aus: Hinten auf dem ca. 3x3 Meter großen Podest sitzen zwei, die soetwas wie eine Riesengitarre senkrecht auf dem Boden stehen haben. Diese Riesengitarren haben vier Seiten, die immer nacheinander in der gleichen Reihenfolge gezupft werden und den Klangteppich bilden, der für das „typisch indische“ sorgt. Das scheint wahrlich nicht das schwerste Instrument zu sein, vielleicht sollte ich einfach Riesengitarre lernen.

Dann gibt’s das Harmonium, das immer mit dem Gesang gekoppelt ist, einen Tablaspieler und das Hauptinstrument in der Mitte, in dem Fall die Sängerin.

Am Anfang waren nur die Riesengitarren und das Harmonium dabei. Nach circa fünf Minuten setzt die Sängerin ein, ganz langsam, die Melodie immer nur auf „a“.

Nach weiteren 10 Minuten kommt die Tabla dazu und im Laufe der nächsten drei Stunden wird es immer schneller. Ja, drei Stunden, und eigentlich noch länger, wir mussten nur früher gehen, weil der letzte Bus nach Kalkeri schon um halb zehn ging.

Drei Stunden auf „aaaaaa“, mal hoch, mal tief, mal schnell, mal langsam. Nach den ersten zwanzig Minuten kam mir Opas Lieblingsstatement zu allem, was nicht der Klassik entspringt, in den Sinn: „Also, wenn ma an Mozart und an Beethoven hat, dann braucht ma doch sowas ned!“ Dieser Satz schwirrte auch noch nach weiteren 20 Minuten noch in meinem Kopf herum und er gewann nach weiteren zwei Stunden für mich immer mehr an Bedeutung.

Nein, die Beschreibung ist etwas übertrieben. Es hat mir, zum eigenen Erstaunen, wirklich nicht schlecht gefallen. Indische Musik hat zwar irgendwie was von Free Jazz, denn da versteh ich genauso wenig, aber da sie ziemlich stark darauf basiert, dass ein Raga (eine Art Teilstruktur, Motiv, das ziemlich genauen Regeln entspricht, letztendlich aber immer frei improvisiert wird) ziemlich oft in modulierter Form wiederholt wird, findet man immer wieder Bekanntes beim Hören, was wohl der erste Schritt zum Verständnis ist. Und wenn man überlegt, wie lange man braucht, um ein wohlwollendes Ohr zur europäischen Klassik zu finden (Tobi wird es glaube ich nie schaffen ;-D), muss man sich hier auch einige Zeit nehmen, sich in hindustani Musik einzufinden. Nur, ob das dann irgendwann ein Beethoven wird, bleibt die Frage. Für die Inder jedenfalls scheint es das zu sein. Es war so lustig, bei dem Konzert durch die Reihen zu schauen und den betagten Indern (auch indische klassische Musik scheint das Problem von desinteressierten jüngeren Menschen zu haben) beim Zuhören zuzusehen. Die ganze Reihe wackelt synchron mit dem Kopf, eine Art „nein“ Gestik oder als ob sie sagen wollten „das ist so gut, es ist nicht zu fassen (*Kopfschüttel*)“. Ganz wichtig sind dabei die ausladenden Bewegungen mit dem Arm, besonders am Ende jedes Ragas und das im Takt mit der Hand auf den Oberschenkel klatschen.

Was mich an der Darbietung aber ehrlich völlig vom Hocker gerissen hat und weshalb ich auch immer besonders Laut geklatscht habe - sehr zur Empörung meiner verhaltenen Nachbarn -, war die sagenhafte Leistung, 3 Stunden ohne Sitzkorrektur regungslos im Schneidersitz zu sitzen. Mir brennen schon nach 10 Minuten Mittagessen im Schneidersitz derartig die Oberschenkel, dass ich mir nicht erklären kann, wie so etwas möglich ist. (Ich habe übrigens beschlossen, ich kauf mir in Dharward einen Stuhl, weil ich diese Auf-dem-Boden-Sitzerei so satt habe; das ist doch keine Art, diese masochistische Selbstkasteiung...)

Der letzte Beitrag zur Musik: Ich habe gestern meine Klarinette zum Üben ausgepackt und da wurde mir schon etwas schlecht. ALLE meine Blätter sind mit einem Pilzfilm übergeben, der weder schön anzusehen ist noch gut riecht. Aber was soll man machen, das ist Indien. Abwischen, Augen zu und durch. Der Monsun geht circa noch einen Monat, dann ist dieser ganze Müll endlich vorbei und dann wird es angenehme 45° C haben. Juhu!

Soweit, mir geht es gut, ganz im Gegensatz zu Ida (drei Tage leichtes Fieber mit mäßigem Durchfall) und Laura (seit vorgestern starkes Fieber mit ordentlichem Fieber) und alles schimmelt wie gewohnt vor sich hin.


Grüße vom anus mundi,

Fabian



P.S. Gottesdienst in Indien ist übrigens genauso wie bei uns. Nur, dass die hier total absolut rattenschafte rote Leuchtbänder über den erbarmungslos kitschigen Altargemälden haben. Das hat so was vom Religion Adventure Park von Ned Flanders. Aber sie singen weitaus stimmungsvollere Lieder als unsere Schlaflieder!


P.P.S. Mein Handy funktioniert nicht mehr, wegen irgendwelchen Schwierigkeiten bei der Beantragung haben sie mir die SIM gesperrt. Wer sich über übertriebene Bürokratie in Deutschland aufregt der muss mal nach Indien fahren. Das ist einfach der Hammer, solche Flachzangen...


Freitag, 3. September 2010

Das schöne Indien

31.08.10


Nachdem meine letzten Einträge so manche Bestürzung hervorgerufen haben, werde ich dieses Mal nur die positiven Dinge erzählen, das schöne Indien neben schimmelnden Bettdecken.
Indien ist ein schönes Land. Zuerst einmal werde ich wahrscheinlich nie wieder an einem Ort leben, in dem man Farben intensiver erlebt als hier. Begonnen bei den Klamotten, die absolut fantastisch anmuten, wenn 30 Kinder auf einem brauen, matschigen Parkplatz beim Fangen-Spielen in rot, lila, gelb, blau, und alles was die Palette zu bieten hat herumwuseln. Dagegen die irren Grüntöne in der Umgebung. Im Moment ist nämlich alles grün. Es gibt hier keinen gelben Weizen oder neon Rapsfelder sondern nur grünen Reis, grünes Zuckerrohr, grünen Reis, grünen Dschungel, grüne Seen und... hatte ich grünen Reis schon? Reis ist einfach überall. Aber es bedarf hierfür einfach nur einer Umstellung. So wie wir Brot in rauen Mengen essen, isst man hier eben Reis. Es dauert ein bisschen aber dann ist das ganz normal und man entwickelt sogar wieder Appetit; ein mir für zwei Wochen unbekanntes Gefühl.
Gestern hatte Barbara, die Volunteers-Supervisorin, die sich vor vier Jahren entschlossen hat, hierzubleiben, Geburtstag. Geburtstag wird hier aber andersherum gefeiert: Das Geburtstagskind kriegt zwar keine Geschenke, dafür muss es aber allen einen ausgeben. Super Fest, oder? Da freut man sich doch wirklich auf diesen Tag. In diesem Fall gab sie keinen aus, sondern hat ein Chicken-Abendessen für die Schule spendiert. Sonst gibt’s hier nämlich nur vegetarisch (was echt in Ordnung geht, irgendwann fällt das nicht mehr auf), denn erstens gibt’s viele, die aus religiösen Gründen überhaupt kein Fleisch essen, zweitens kann sich die Schule es einfach nicht leisten; man ist froh, wenn das Geld für den Reis reicht. Jedenfalls war das echt ein Event: Ersteinmal mussten einige Hühner aus Dharward herangekarrt werden, die wurden unter krachendem Lärm den ganzen Tag über von Soamigi (unserem Koch) zerteilt wurden, und am Abend konnte es dann wirklich keiner mehr erwarten. Da die Volunteers abends aber immer nach den Kindern essen, hat es sich für uns am Ende noch zur Folter entwickelt. Tja, so lernt man Fleisch wirklich wertschätzen.
Dann gibt es noch eine kurze Anekdote: Am Samstag war ich zum ersten Mal allein in Dharward unterwegs, einfach mal um zu schauen, was die Stadt so zu bieten hat. Als guter Kirchgänger war die Kirche, die es in Dharward geben soll, natürlich mein erstes Ziel... naja, vielleicht nicht mein erstes, aber eins meiner Ziele eben. Gesucht, gefunden. Die einzige Frau in der Kirche, ich behaupte mal, es war die Pastorin, ist direkt erschrocken, hier einen weißen Touristen zu sehen, weil in Dharward kein einziger Weißer wohnt und schon gar kein Tourist. Jedenfalls wurde ich darauf gleich in Indien-typischer Manier von fünf anderen Leuten begrüßt, die von überall angelaufen kamen. Die erklärten mir dann, dass es hier nur einen Kannad-Service, also einen Lokalsprachen-Gottesdienst, gäbe. Ich solle doch zur anderen Kirche gehen, dort gäbe es einen englischen Gottesdienst. Beide Kirchen gehören zur Basel Mission School, einer 1880 gegründete christlichen Missionsschule in Dharward. Um zur anderen Kirche zu gelangen, musste ich erst quer durch die Stadt und dann über einen Schulhof. Am Schultor empfingen mich schon 10 Schüler: „Hello, Sir“, „America?“, „What's your name?“, „What's your fathers name?“ (gaaaaanz wichtige Frage hier; das kommt immer; also Dädi, hier weiß die halbe Stadt, wie du heißt und was du arbeitest; Mama, bei dir wissen es leider nicht ganz so viele, aber ab und zu kommt die Frage schon) „What do you do here?“ ect.
Jedenfalls sei die Kirche gerade geschlossen aber ich solle doch zu dem Typen auf der anderen Seite des Schulhofes gehen. Und das mutet für jeden Europäer nun wirklich komisch an: Da steht ein indischer Hühne, voll in Militäruniform, und drillt gerade eine Gruppe von ungefähr 30 Jungs und Mädchen – ich schätze, neunte Klasse, auch alle in Uniform. Mir wurde erklärt, dass dieser Unterricht der NCC ist (vergessen, wofür das steht) und so etwas wie eine Armee-AG in der Schule darstellt, um ein bisschen Interesse für die indische Armee zu wecken. Missionsschule! Tststs.
Jedenfalls bin ich zu diesem Pseudo- Oberstleutnant gegangen (der in Echt eigentlich nur Englisch und Erdkundelehrer ist aber Nachmittags immer ein bisschen Krieg spielen darf) und habe ihn nach dem Gottesdienst gefragt. „Immer Sonntags 8:30 Uhr? Deutschland, ja? Hey, Kinder, wir haben hier jemand aus Deutschland. Alle auf eure Plätze, ihr könnt jetzt unseren Gast fragen, wie die Armee in Deutschland funktioniert. Du, bring ihm einen Chai, du, steck dein Hemd in die Hose und du, bin dir die Schuhe“
Da stand ich nun vor diesen 30... naja, Kriegs AG-lern, Jungs und Mädchen sauber getrennt in Reihen sitzend und sollte ihnen was über die deutsche Armee erzählen. So stellte ich, voll beladen mit drei Einkaufstüten voll Chips und Schokolade, den Fotoapparat noch ordentlich touristisch um den Hals gehangen, erst einmal klar, dass ich keine Ahnung von der deutschen Armee hätte, sie aber gerne alles andere über Deutschland fragen können.
Darauf folgte dann die obligatorische Frage, wie ich denn Hitler fände (in Bangalore hatten wir schon einen Straßenstand mit Büchern entdeckt, bei dem sich „Mein Kampf“ irgendwie zwischen die Shakespeare-Klassiker verirrt hatte; der Händler meinte, er würde es billiger für uns machen, da wir aus Deutschland kämen). So beantwortete ich eine halbe Stunde Fragen , bis wir am Ende bei „Wer ist dein Lieblings-Bollywoodschauspieler?“ angelangt waren, was ich zum Glück mit dem einzig mir bekannten Schauspieler „Sharuk Khan“ beantworten konnte.
Es war ein Heidenspaß, ich hatte jede Menge Lacher auf meiner Seite und es war wirklich ein Supertag. Ach ja, und am Sonntag werde ich mal abchecken, ob die Inder auch alles richtig machen im Gottesdienst.
Jetzt doch noch ein ganz kleines Schmankerl zum Ende, weil das gerade eben passiert ist. Circa einen Meter vor unserer Terrasse, auf unserem Zähneputzplatz, ist gerade eine zwei Meter lange braune Kobra vorbei gekrochen. Das ist nun sogar für Inder außerordentlich, denn letztes Mal, vor zwei Monaten war das, ist die Volunteers- Haushälterin Kamlagi (ja, man kann auch im Dschungel Luxus genießen; kein Wäschewaschen, kein Geschirrspülen, kein Rauskehren) angeblich völlig außer sich runter in die Küche gerannt, worauf die ganze Lehrerschaft angelaufen kam und eine halbe Stunde die Schlange unter unserm Haus herausbefördern wollte. Diesmal was es nicht ganz so spektakulär; die Schlange hat sich nach einer Minute irgendwo in den Dschungel hinter unserem Haus verzupft und das wars dann. Aber rein theoretisch, wenn man gebissen wird, ist man nach ca. einer Minute tot. Doch, das Jahr könnte sogar im Dschungel echt noch aufregend werden.

Ich habe nun übrigens auch ein Handy mit der Nummer 0091 9740165918. Es soll ganz viele Billigvorwahlen für Indien geben, also wer mich sprechen will, der kann gerne mal nachschauen und hier rüberklingeln. Ich freue mich über jede Regung aus der Heimat., noch ist mein Stundenplan mäßig voll.
Und es gibt jetzt Bilder auf:

http://picasaweb.google.com/fabian.hafner/Indien1008209#

Liebe Grüße,
Fabian